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27.06. Samstag

Heute morgen stand die letzte Schleuse auf dem Rhein-Rhone Kanal auf dem Plan. Eine Wachschleuse, bei der wirklich auch jemand auf uns wartete. Zusammen mit den Schweizern kamen wir gut durch und der freundliche Schleusenwärter meldete uns beide auch gleich für die Großschleuse Niffer an. Ende mit den kleinen Schleusenkammern. Was jetzt kommen würde ähnelte wohl eher den Schleusen auf der Rhone. Nur was bedeutet: Doppelschleuse? Wir werden sehen.

Nach ca 2 Stunden waren wir vor Niffer und wurden an die "kleine" Schleuse gelotst, die liegt in einem Seitenarm. Dort gab es keine Schwimmpoller, aber das war hier auch kein Problem.

Nach dieser Schleuse verabschiedeten wir uns von den Schweizern, die Richtung Basel wollten. Wir hingegen mussten in die andere Richtung, Rheinabwärts, in den Canal D´Alsace. Hier trafen wir auf eine Strömung, wie wir sie lange nicht mehr hatten. Aber diesmal mußten wir nicht gegenan. Plötzlich machten wir eine Fahrt von 8,5 kn. So schnell sind wir mit unserer Anjuli noch nie gewesen. Eine rasante Fahrt und wir waren wirklich sehr froh, das wir nicht gegen an mussten.

Kommt einem aber ein Großschiff entgegen oder auch nur von hinten, kann dieser Kanal schwierig werden. Das gibt Wellen bis zu 2 m, die immer wieder von den Seitenwänden zurücklaufen. Unser Segelschiff war plötzlich ein Vorteil, sie nahm diese Wellen ohne Schwierigkeiten. Aber es muß, wie auf See, alles fest verstaut sein, sonst fliegen einem alle Gegenstände um die Ohren.


auf dem Rhein - MyVideo

An unserer ersten Doppelschleuse in Ottmarsheim wurden wir mit einem Berufsschiff, aus Holland, in die große Kammer gebeten. Ein Mitarbeiter der Schleuse stand am Poller und half uns die Leinen über zu legen. "Gibt es hier Schwimmpoller?", war unsere erste Frage, da die Hubhöhe groß sein sollte. "Nein, keine Schwimmpoller." Hmm... "Reichen unsere Leinen?" Seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen zweifelte er dies an. Wir hatten schon 2 lange Leinen jeweils zusammen gebunden und die kamen uns schon sehr lang vor, ca 20 m / Leine. Dann ging es abwärts. Weiter und weiter. Unsere Leinen reichten .... nicht. Aber dicht bei unserem Schiff kamen Poller in der Wand zum Vorschein. Also lange Leinen los und mit kürzeren an die Poller und es ging noch immer weiter nach unten. Endlich ... wir waren unten.

Bert pumpte noch unser Kühlwasser durch. Da fuhr der Holländer mit Vollgas los. Wir konnten die Anjuli nicht mehr halten, so sog der das Wasser weg. Motor an, gegen halten, sonst landen wir an der Wand. So ein Idiot! Das hätte schief gehen können.

Als wir dann endlich draußen waren hielten wir Abstand von dem Holländer. Vor der Schle3use Fessenheim tuckerten wir extrem langsam dahin. Noch einmal mit dem rein, nein, das wollten wir auf keinen Fall. Über Funk gaben wir an der Schleuse bekannt: "Wir haben ein Motorproblem. Es dauert bis wir das behoben haben, bitte den Berufsschiffer alleine schleusen." Klappte wirklich und wir konnten etwas später alleine in die "kleine" Schleuse fahren, die immerhin noch ein Ausmaß von 185 x 11,4 m hat, einfahren. Mit Schwimmpollern .... das hatten sie aber ab dort alle wieder. So war das ganze natürlich viel einfacher.

Gegen 14 Uhr kam ein Gewitterschauer auf uns zu, zum Glück hatten wir es rechtzeitig registriert und Regensachen angezogen.


Überführung 7 - MyVideo

Auch bei der Schleuse Vogelgrun durften wir alleine in die kleine Schleusenkammer. Irritiert waren wir aber von den großen Schildern an der Einfahrt; Schwimmpoller außer Betrieb. Wie bitte? Eine Anfrage über Funk ergab: es ist alles in Ordnung, es funktioniert alles. Phuuuu

Kurz hinter der Schleuse, bei km 226,3 km, kommt der Hafen: Port de Plaisence de I´lle du Rhin Vogelgrun. Da der Rhein etwas Hochwasser führte war die Einfahrt kein Problem. Bei Niedrigwasser sieht das anders aus, so ein schweizer Stegnachbar, etwas später. Für 11€/Nacht, incl Wasser, Strom und Duschen, lagen wir gut und sicher bis zum nächsten Morgen. Getankt haben wir dort auch gleich, das war ideal, da der Tankschlauch bis zum Boot reichte. Für 1,09€/Liter.

28.06. Sonntag

Vier Wochen unterwegs, aber "schon" auf dem Rhein. Unsere "Autobahn" nach Hause. Als wir gegen 9 Uhr ablegten, schliefen noch alle anderen. Mit Absicht waren wir ein wenig später unterwegs, da beim Aufstehen alles unter Nebel lag. Kaum Sichtweite, das musste nicht sein. Dann, endlich, verzog sich der Nebel und wir konnten los.

Vor uns tauchte eine schweizer Segelyacht auf, ohne Mast. Plötzlich drehte diese ab und setzte sich hinter uns. "Irgendwelche Probleme?" Sie winkten aber ab, brauchten keine Hilfe. Die beiden nächsten Großschleusen waren problemlos. Das sich bisher alle Schleusen auf dem Rhein noch auf französischer Seite befanden konnte ich sie anfunken. Bisher hatte niemand nach einem Funkzeugnis gefragt ....

In Rhinau durften wir sogar alleine in die große Kammer einfahren. 185 m lang und 22 m breit. Groß wie ein Fußballfeld und wir kamen uns etwas verloren darin vor, vor allem ging das hinunter schleusen so etwas von langsam vor sich, dass Bert meinte:" Ich will wieder in meine kleine Kammer."

Die Schweizer holten wieder auf und erzählten  uns, sie hätten Kühlwasserprobleme gehabt. Das kennen wir, hatten aber z.Zt. nicht mehr damit zu kämpfen. Nach der Schleuse Gerstheim mußten wir ganz vorsichtig fahren, da viele Jetskifaher das super Wetter ausnutzten und auf dem Rhein umherflitzten. Meine Güte, waren die flott unterwegs.

Eigentlich war die Tagesetappe bis Kehl geplant, aber wir wollten uns keinen Stress mehr machen. Bei km 283,7 liefen wir die Steganlage des Altenheimer Wassersportclubs an. Vorher hatten wir angerufen, ob die für uns noch Platz hatten und genug Tiefgang. Man erwartete uns schon und half freundlich beim Anlegen. Ein kühles Bier und Radler war willkommen. Sehr nette Leute dort. Woher? Wohin? Lange Zeit saßen wir mit den Clubmitgliedern auf deren schattigen Terrasse, mittlerweile hatten wir 30°C und die Sonne schien von strahlend blauem Himmel. Für 7,50€/Nacht, incl Strom und Wasser. Die Dusche kostete uns 2€ und die Getränke jeweils 1 €. Es war ein richtig schöner Abend dort.

29.06. Montag

Auch an dem Morgen ging es erst um kurz vor 9 Uhr weiter. Mittlerweile waren wir kurz vor Straßburg. Dort mussten wir, vor der Schleuse, warten. Warum war uns nicht wirklich klar, die kleine Schleusenkammer war oben und hinter uns war ... nichts. Nun, es half nichts... erst nach einer 3/4 Stunde lies man uns doch hinein. Alleine. Jemand soll nun den Schleusengott dort verstehen.

Die weitere Fahrt war flott, aber eintönig. Frachtschiffe von oben und von unten. Uns kam der Verkehr auf dem Rhein sehr hoch vor, so richtig gewohnt waren wir das halt nicht mehr. Vor allem war alles so breit.

In der nächsten Schleuse konnten wir gleich hinter einem Frachter einfahren, wieder ein Holländer. "Hoffentlich geht das gut," unsere letzte Erfahrung mit holländischem Frachter war ja nicht die Beste. Diesmal konnten wir aber ein ganzes Stück hinter diesem und auf der anderen Seite der Kammer, festmachen. Dazu kam noch, das dieser Holländer wirklich vorsichtig ausfuhr. Alles kein Problem.

Dann kam die letzte  Schleuse. Iffezheim. "Wirklich unsere Letzte?" "Ja!" Nun, auch die werden wir noch schaffen, das Problemchen war nur: sie liegt in Deutschland. Also nichts mit funken. Im Handbuch steht eine Telefonnummer, nur stimmte die nicht. Was nun? Die Wasserschutzpolizei in Karlsruhe. Das ich die auf der Fahrt einmal freiwillig anrufen würde hatte ich auch nicht gedacht. Aber die waren sehr freundlich, ich erklärte ihnen unser Problem und bekam sofort die gültige Nummer. Damit landete ich zumindest einmal bei irgendjemand von der Schleuse. Dieser versprach sich darum zu kümmern, das wir durchkommen. Solange dümpelten wir wartend herum. Kurz darauf erklang aus einem Lautsprecher: "Das Segelboot kann einfahren." Wieder mal ein Luxusschleusen, ganz alleine in der großen Kammer. Kommentare von Arbeitern; "Mensch, soviel Wasser für so ein kleines Boot." "Ja, aber auch wir wollen nach Hause." Beide Seiten mussten lachen und wir winkten zum Abschied.

Gleich nach der Schleuse kommt eine Brücke, hinter der mussten wir wenden, da wir die Nacht im MYC Baden-Baden verbringen wollten. Auch dort hatten wir uns vorher telefonisch angemeldet. Am frühen Nachmittag lagen wir fest und haben 10€/Nacht (1€/Meter Boot), incl Strom, Wasser und Dusche. Die Sanitäranlagen verrieten: wir waren wieder in Deutschland angekommen. Wirklich super dort. Etwas kurios ist: wir waren nicht wirklich in Deutschland, der Yachtclub (Obwohl deutsch) liegt auf französischer Seite. Ein anderer Yachtclub, ca. 50m weiter, ist französisch.

Nachdem wir mitbekommen hatten, das das Clubschiff mit Restaurant, offen hatte haben wir dort noch mit Clubmitgliedern zusammen gesessen, bei Weizenbier und Radler.  Abends waren wir dort noch essen, für Bert gab es das erste Rumpsteak nach Wochen ...

30.06. Dienstag

Irgendwie wollten wir alle an diesem Tag nur noch daheim ankommen. Selbst Anjuli raste, teilweise mit über 9 kn Fahrt über Grund, den Rhein hinunter. Ein Strecke die anstrengend wurde, obwohl wir sie ab Speyer doch kannten. Aber das ständige Aufpassen, wegen der Buhnen und der Berufsschiffart, die mal an der rechten, mal an der linken Seite überholt werden wollte verlangte ständige Aufmerksamkeit.

Aber ... um 16:15 Uhr machten wir im Lampertheimer Altrhein, am Bootshaus Kern, fest. Unsere Tagesetappe: 100 km!

Wir waren zu Hause!!!

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