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24.06. Mittwoch
Der Wind hatte etwas nachgelassen und wir kamen morgens erstmal gut voran. Dann stand eine Überquerung des Doubs an. Natürlich ohne Betonnung und man muss sehr aufpassen. Plötzlich machte die Anjuli kaum noch Fahrt, ein Blick aufs Kühlwasser zeigte: fast nichts mehr. Irgendwas hatten wir uns eingefangen. In den kommenden Kanalabschnitt schlichen wir uns rein und versuchten, durch Rückwärtsfahrt, den Kiel von irgendwas zu befreien. Nur lief unser Schiff nicht mehr am Ruder, rückwärts. Stress! Was war los? Noch wenige Meter bis zur Schleuse, warum ging das blöde Tor nicht auf? Es kam uns wie Stunden vor bis wir in der Schleuse fest lagen. Motor aus und wieder pumpen. Aber danach war es besser, auch war das zeug vom Kiel offensichtlich weg. Glück gehabt.
Kurz darauf rief ich dann bei der Schleusenleitstelle an. Irgendwie stimmte unser Handbuch nicht, angeblich sollten wir bei der Schleuse 16 die Fernbedienung abgeben da die nächsten handbetrieben waren. Was auch immer das bedeutet. Aber bei der 16 war kein Mensch, alles ging wie gehabt weiter. Der Mann in der Leitstelle sprach ein perfektes deutsch und erklärte, dass es bis zur Schleuse 8 weiter ging, mit der Fernbedienung. Ab 7 würde er jemanden schicken, so gegen 14 Uhr. Wie weit wir denn heute fahren wollten? Bis 16 Uhr würden wir es bis Montreu-Chateau schaffen. Das klang doch schon mal gut.
An der Schleuse 8 kamen wir pünktlich um 12:45 Uhr an, mitten in der Mittagspause. Egal, die Tore waren offen und wir konnten drinnen festmachen. Die Zwangspause nutzten wir dann um Salat für abends vorzubereiten. Pünktlich um 13:30 Uhr kam der Schleusenwärter, zusammen mit einem Mann von der VNF, auf einem Mofa. Dieser erklärte uns, er würde uns jetzt begleiten. Aha. Die Fernbedienung gaben wir ab und waren gespannt was nun folgt.
Tatsächlich, der "Pfeiffer", so hatten wir ihn getauft da er ständig vor sich her pfiff, fuhr mit seinem Mofa vor uns her, von Schleuse zu Schleuse. Die Tore waren immer offen, ich brauchte keine Leiter hoch zu klettern, er nahm die Leinen immer ab und belegte oben. So ging alles viel schneller als vorher. Manche Schleusentore musste er per Hand auf- bzw. zudrehen. Was für ein Aufwand.
Pünktlich um 16 Uhr waren wir aus der Schleuse 3 heraus und fanden wirklich einen freien Anlegeplatz für uns. Da dort nur Platz für 2 Boote war hatten wir Glück, denn eine große holländische Yacht lag schon dort. Strom und Wasser gab es wenigstens dort, die Holländer erklärten wie das funktioniert. An der nahe gelegenen Tourist Information für 5€ einen Coin kaufen, den dann in ein Gerät am Steg einwerfen und man hat für 24 Std Strom und Wasser. Aber ... wieder keine Duschen. Dafür Wasser. Geduscht wurde also wieder im Bad. Eine frische Angelegenheit, da wir ja nicht über Warmwasser verfügen, an Bord. Dafür gab es abends mal wieder Fernsehen.
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Mit dem "Pfeiffer" hatten wir besprochen, das wir am nächsten Morgen um 8 Uhr weiter wollten. Er würde sich darum kümmern, das jemand an der nächsten Schleuse war. Hoffentlich klappt das. Ab morgen geht es abwärts, im Moment waren wir 341,50 m über dem Meeresspiegel. Auch die Stromrichtung ändert sich damit.
25.06. Donnerstag
Nachdem morgens noch Wasser aufgefüllt worden war legten wir pünktlich um 8 Uhr ab. Da sich niemand von der VNF blicken ließ vertrauten wir darauf, das an der nächsten Schleuse jemand auf uns wartet. Bis dahin waren es gute 5 km. Ein selten langer Abschnitt ohne Schleuse.
Diese erste, die für uns nach unten ging, irritierte erstmal beim Anfahren. Diesmal fuhren wir nicht auf die Schleusentore zu, man muß sich umstellen. Aber dort waren wirklich 3 Leute der VNF. Wir baten noch darum, langsam zu machen, wir mußten erst einmal gucken. Man soll sich nicht darauf verlassen. Was folgte war ein Horrortrip. Da niemand die Leinen abnahm bin ich raus und wollte diese auf Slip legen. Bert belegte vorne und lief nach achtern, plötzlich war der Wasserstand schon einen Meter tiefer, ich kam nicht mehr runter aufs Boot. Anjuli hing mit dem Bug über Wasser an der Schleusenwand fest. Panik kam auf, auf unser Schreien, sie sollten stoppen reagierte niemand. Angeblich ging es nicht, wobei der junge Mann in dem Schleusenhäuschen offensichtlich nicht wusste was er tun sollte. Bert runter, ein Messer holen und die Bugleine kappen war eine Sache von Sekunden und keine zu früh .... wie lange unsere Klampe noch gehalten hätte, wir wissen es nicht. Immer weiter ging es für Bert und die Anjuli nach unten. Es war alles viel zu schnell gegangen. Der Schock saß. Mir blieb nichts anderes übrig, als zur nächsten Schleuse zu laufen, allerdings war die auch nur 100 m weiter.
Zwei junge Männer, Studenten in Ferienjob, fuhren mit uns die folgende Schleusentreppe mit, diesmal auf Fahrrädern. Aber keiner von uns beiden verließ mehr das Boot in den Schleusen. Die beiden Jungs belegten die Poller und ab jetzt ging es ruhiger und sehr leicht nach unten. Alle Schleusen dieser Treppe liegen 100 m auseinander. In der Schleuse 3 gab es allerdings ein weiteres Problem. Von den jungen Männern kam die Info: wir müssen warten, von oben kommt ein großes Schiff. Bert meinte nur: "Kein Problem solange wir in der Schleusenkammer liegen bleiben können." Irgendwie wollten die das aber nicht, wir sollten im Zwischenbecken warten. "Ist das tief genug für uns ?" "Keine Ahnung." "Dann fahren wir hier nicht raus," Bert blieb fest. Nach einigem hin und her durften wir das dann auch.
Die Hubhöhe der folgenden Schleusen beträgt immer so um die 3 m. Bis zur Schleuse 15 begleiteten uns die beiden auf ihren Fahrrädern. Bei 16 wechselte das Team dann. Auch die Hafenmeisterin von Porte D´Alsace in Dannemarie war vor Ort. Dort wollten wir über Nacht bleiben und sie war so freundlich für uns sogar im Hafen von Muhlhouse anzurufen. Dort nachgefragt, ob es eine Möglichkeit gebe, das Boot für 2 Monate liegen zu lassen. Man kann ja nie wissen. Wir bekamen eine positive Antwort und die Hafenmeisterin, übrigens eine Deutsche lotste uns in ihren Hafen.
Dort hatten wir, neben Strom, Wasser auch endlich mal wieder eine Dusche. (für 14€/Nacht). Auch die Möglichkeit eine Maschine Wäsche zu waschen ... was wir natürlich nutzten.
26.06. Freitag
Heute wirklich mal bis um 8 Uhr geschlafen, welch ein Luxus. Um 9 Uhr stand die erste Schleuse auf dem Programm, zusammen mit einer Schweizer Motoryacht begann damit der 2.Teil der Schleusentreppe.
Auch hier fuhr wieder jemand mit uns, da die meisten Schleusen handbetrieben waren. Also der Aufwand, der hier betrieben wird, ist immens. Bis zur Mittagspause, um 12:30 Uhr, lief alles wie am Schnürchen. In der Schleuse 32 sollten wir dann für eine Stunde liegen bleiben. Gute Idee, wenn ... ja wenn der Junge nur nicht vergessen hätte die Tore auf zu machen. Auch die Motoryacht, mit viel weniger Tiefgang, fand keinen Platz zum anlegen, alles viel zu flach. So tuckerten wir eine 3/4 Stunde in dem engen Kanal auf und ab, bei brütender Sonne. Um 13:15 Uhr kam jemand von der VNF, entschuldigte sich und ließ uns in die Kammer. Unsere Stimmung war, um es vorsichtig auszudrücken, leicht gereizt.
Etwas später fing unser Auspuff wieder an zu qualmen, für uns das Signal: pumpen ist angesagt. Das ist aber auch ein Dreckwasser dort.
Noch 3 Schleusen bis Muhlhouse. Dort sind die Brücken furchtbar tief, im Handbuch ist eine angegeben mit 3,55 m. Ich möchte mal wissen wie die gemessen haben. Mehr als 3,30 m hatte sie definitiv nicht. Luft anhalten, vorsichtig durch und immer unseren Mast beobachten. Aber wir kamen durch ohne anzuecken.
Endlich der Sportboothafen auf der linken Seite. Zwischenzeitlich hatte Bert mit seinem Kollegen gesprochen und das okay bekommen: wir können weiter fahren. Uns fiel ein Stein vom Herzen. Toller Zug von dem. Der Hafenmeister erwartete uns schon und wir konnten ihm klar machen, das wir doch morgen weiter fahren würden. Um 16 Uhr haben wir festgemacht, direkt hinter der Schweizer Yacht. Für morgen früh waren wir um 8:30 Uhr angemeldet in der nächsten Schleuse. Das ist wirklich Service dort. Die Leute sind sehr freundlich und hilfsbereit. Da wir uns dort im Elsaß befanden, sprachen auch sehr viele deutsch, was so einiges erleichtert hat. Der Platz hat uns 11,40€/Nacht gekostet, incl Wasser, Strom und Duschen.
Mittlerweile merkten wir schon am Wetter, das wir uns Deutschland näherten. Es hatte stark abgekühlt, zwischenzeitlich hatte aber der Regen aufgehört und auch die Gewitter waren abgezogen. Unsere heutige Tagesetappe: 22km und ....23 Schleusen. Dementsprechend fertig waren wir auch. Abends zählten wir unsere Schleusen einmal durch:
1 auf der kleinen Rhone, 12 auf der großen Rhone, 5 auf der Saone und bisher 110 auf dem Rhein-Rhone Kanal. Macht bisher 128 Schleusen und uns erwarten noch 10 Stück.