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21.06. Sonntag
Jetzt sind wir genau 3 Wochen unterwegs und uns ist klar: wir werden es in den geplanten 4 Wochen nicht schaffen. Schon rein rechnerisch nicht, zum Glück hat ein Kollege von Bert seinen Urlaub verschoben und uns somit die Möglichkeit gegeben erstmal weiter zu machen. Im Muhlhouse telefonieren die beiden noch mal, evtl müssen wir die Anjuli dort liegen lassen und mit dem Zug zurück. Eine schlechte Lösung ... wir werden sehen.
Nachdem wir unsere Pumpaktion für die Wasseransaugung gemacht hatten ging es gleich in die erste Schleuse und 600 m weiter in die nächste. Die hielt allerdings eine etwas unangenehme Überraschung für uns bereit. An der Seite an der die Stangen waren befand sich nur ein Poller in der Wand, aber keine Leiter. Werfen statt klettern hieß das Motto. Dahinter befand sich gleich das Wendebecken vor der nächsten Schleuse (51) und dem Tunnel von Besancon. Es war kurz vor 9 Uhr. Das Signal stand auf rot und mit meiner Fernbedienung holte ich bloß die Schleuse 51, durch die wir ja durch waren, wieder hoch. Blöd, aber ich hatte so schnell nicht begriffen das die 51 nicht automatisch war. So legten wir erstmal an einem Steg an und warteten was passiert.
Bert ging von Bord und guckte sich das Ganze mal an. Plötzlich kam er sehr schnell wieder zurück. "Er macht uns die Schleuse auf," rief er. Etwas irritiert guckte ich ihn an und sah dann einen Schleusenwärter oben an der Schleuse stehen. Jetzt ging alles recht flott. Der nette Mann nahm mir sogar die Leinen ab und schleuste uns sehr vorsichtig hoch. Ein bisschen Smaltalk noch und ab ging es in den Tunnel. Der war diesmal recht lang und sehr dunkel. Licht würden aber nicht brauchen, so der Schleusenwärter. Wir waren froh aus dem wieder draußen zu sein. Zumindest konnten wir uns aber diesmal sicher sein, das uns nichts entgegen kam.
Weiter ging es mit dem gleichen Spiel wie schon die letzten Tage, abwechselnd Kanal und Fluss. Wobei heute die Doubsabschnitte die längeren waren. Angesichts der gestrigen Erfahrung mit manuellen Schleusen sahen wir zu, dass wir die nächste Doppelschleuse (km 90, 361) in Deluz noch vor der Mittagspause erreichten. Um 11:45 Uhr waren wir da. Ziemlich plötzlich tauchte sie auf und .... stand auf rot. So schnell hatte Bert unser Schiff noch nie aufgestoppt. Hätten wir eine Bremse gehabt wie ein Auto, das wäre eine Vollbremsung geworden. Aber der Schleusenwärter hatte uns schon gesehen und schaltete auf grün. Also ich persönlich finde es bei den Doppelschleusen völlig irritierend, auf ein geschlossenes Tor zu zu fahren. Ach herrje, ist die hoch. Kaum waren wir drin, ging das Tor auch schon zu und ich bekam Panik. Wir lagen noch nicht einmal fest. Hubhöhe? Keine Ahnung, aber sehr hoch. Die Leiter auch ... das alles registrierte ich irgendwie .. nur nicht, das überhaupt nichts weiter passierte. Leiter hoch, oben belegt, Leiter wieder runter. Bert erzählte mir später, das der Schleusenwärter oben gestanden hatte und gewartet hat bis wir fertig waren.
Die Schleusung ging sehr fix, soll heißen: viel Arbeit an den Leinen. Dann ab in die 2.Kammer. Wieder so hoch und ich schluckte nur. Aber diesmal nahm der Mann dort oben die Leinen ab, es war sowieso keine Leiter vorhanden. Berts Gefühl sagte: ca. 10m Hubhöhe. Um 12:20 Uhr waren wir wieder draußen. Weiter ging es in dem Doubs, immer schön am Rand lang und an die Betonnung halten, wenn sie denn da ist. Soweit so gut. Um 12:50 Uhr krachte es plötzlich zweimal am Rumpf. Wir waren genau zwischen einer roten und einer grünen Barke, bei km 98, zwischen Lousseg und Dourot. Wir schwammen zwar weiter, aber irgendwas hatten wir mitgenommen. Standgas rein und erstmal gucken, war angesagt. Seeventile, vorne im Bug, Motorraum kontrollieren. Keine Schäden, Motor läuft, Ruder geht, Schraube dreht sich. Das war noch mal gut gegangen, aber ein Schreck war es gewesen. Vor allem da wir uns wirklich genau in der Fahrrinne befanden.
Auf der Weiterfahrt sahen wir immer wieder Angler, das ist wohl DER Volkssport hier. Aber auch sehr viele Graureiher. Über die schlossen wir fast Wetten ab. "Hat der Nerven?" Die meisten hatten keine. Wenn wir uns ihnen näherten flogen sie auf, die meisten waren aber so blöde, das sie weiter voraus flogen, sich ans Ufer setzten und .... das Spiel begann von vorne. Spätestens nach dem 3.Mal fingen sie dann an zu schimpfen. Wären sie in die andere Richtung geflogen .... ohne Kommentar.
In Deluze gibt es ganz neue Anlegestege, mit Wasser, Strom usw. Aber das war für uns viel zu früh. Irgendwie lag da auch niemand, sowieso hatten wir den ganzen Tag noch nicht ein anderes Boot gesehen.
Gegen frühen Nachmittag hatten wir einen Schwimmsteg vor der Schleuse 42 erreicht. Nach 6 Stunden Fahrt, 10 Schleusen, einem Tunnel und 23 km reichte es uns.
Bei einigen Schleusen heute hatten wir eine Erfahrung gemacht, die uns sehr vorsichtig werden ließ. Diese wurden irgendwann mal verlängert und in den Schleusenwänden befinden sich große Lücken. Dort sind die Fender sinnlos, wir hofften immer nur, das die an den anderen Stellen nicht abrutschen sonst haut man sich sein Schiff kaputt.
22.06. Montag
Wir hatten an diesem Morgen irgendwie festgestellt, dass die Wochentage für uns keine Rolle spielen. Ich bekam sie nur mit, wenn ich das Tagebuch führte. Sooo... wenn ich das hier jetzt tippere muß ich grinsen, das ganze hatte nämlich den Effekt, das wir am Mittwoch feststellten, das es wirklich erst Mittwoch war und nicht, wie ich aufgeschrieben hatte, schon Donnerstag. Wir hatten es nicht mitbekommen, irgendwie war der Montag uns völlig abhanden gekommen. So hatten wir einen Tag gewonnen, irgendwie...
Als wir los wollten reagierte die automatische Schleuse nicht. Ich konnte mit der Fernbedienung machen was ich wollte, es tat sich nichts. Aber Glück im Unglück, es war eine der seltenen Schleusen wo das alte Schleusenhaus noch besetzt ist. Irgendwie hatte dort jemand mitbekommen das es nicht funktionierte. Ein sehr netter Mann kam dann raus, erkundigte sich bei uns was los war und schleuste uns per Hand hoch.
Weiter auf dem Doubs und es kam wie es kommen musste: nach ca. 20 min machte es "rumbss", wir saßen auf, konnten uns aber selber befreien. Wie bitte hält man 15 m vom Ufer genau ein? Der Schreck zum Aufwachen. danach ging es wirklich konzentriert weiter. Im Handbuch las ich: die Schleuse 41 hat eine bemerkenswerte Hubhöhe. Naja, mit 1,86 m kam sie uns nicht sehr bemerkenswert vor. Aber die Tiefe der Schleusenkammer ist schon beachtlich. Da durfte ich mal locker 5 m hochklettern.
Die nächste Schleuse dagegen war mit 4,21 m schon wesentlich höher. Auch dort wieder 5 m Leiter rauf und wieder runter. So langsam kam ich mir vor wie ein Affe. Morgens hieß es bei uns schon immer: ein Käffchen für das Äffchen.
Gegen Mittag fing es dann an zu regnen. Klasse, ab in die Regenklamotten und bei 16°C wurde es ungemütlich. Vor der Schleuse 34 hieß es: Fahrbahnwechsel. Da muss es doch ein Schild geben, so war unser Gedanke. Das gab es auch, aber kaum hatten wir es, in ca. 50m Entfernung gesehen, saßen wir auch schon wieder auf. Langsam zurück und kamen auch frei. Aus der Schleuse kam uns eine Peniche entgegen, aber die haben so weinig Tiefgang das sie gut an uns vorbei kam. Vorsichtig tasteten wir uns auf die andere Seite und zur Schleuse vor.
Danach ging es weiter nach Clerval. Dort sei ein Sportboothafen mit 9 Liegeplätzen verspricht die Zeitschrift "Franche-Comté Tourisme Fluviel" von 2009. Nichts wie hin da. Endlich mal wieder eine Dusche. Als wir durch die Brücke kamen sahen wir tatsächlich einen Steg. Nur mit dem Bug varan fahren, stand ebenso dabei. Ganz langsam tasteten wir uns vor. Und .... jeder der Phantasie hat weiß was kommt ... wir setzten auf. Das war aber pure Realität. Die Dusche konnten wir uns abschminken. Nur wohin jetzt? Erstmal wieder zurück und gucken. Direkt vor uns die nächste Schleuse. Es half ja alles nichts, wir mussten weiter. Durch die Schleuse hindurch und wir sahen gleich danach einen Schwimmsteg. Das war unserer. Um 14:30 Uhr, ziemlich fertig, lagen wir fest. Eine halbe Stunde später waren wir wieder soweit hergestellt das wir uns auf den Weg machten in die kleine Stadt. Da muss man doch etwas einkaufen können. Blöderweise mit Rucksäcken, statt mit dem Hackenporsche. Aber zu der Erkenntnis kamen wir erst später.
3 km weiter und einmal über die Brücke fanden wir tatsächlich einen Laden. Dort bekamen wir auch Fleisch und andere frische Sachen. Mit voll gepackten Rucksäcken machten wir uns auf den Rückweg. Mit einer Pause vor dem besagten Anlegesteg.
Wir stellten fest, das wir den Lärm, den die Auto machten nicht mehr gewohnt waren. An der Schleuse lagen wir zumindest viel ruhiger. Wenn auch, mal wieder, ohne Strom, Wasser, Duschen, Abfallentsorgung.
23.06. Dienstag
Morgens war es ziemlich bewölkt, es regnete aber nicht und war mit nur 10°C recht kühl. Ab in die warmen Klamotten und weiter. Ab in den Doubs, bis zur ersten Schleuse des Tages. "Was macht man bloß den ganzen Tag ohne Schleusen?" war ein recht ironischer Gedanke.
Man gewöhnt sich ja an alles, aber so langsam hatten wir die Nase voll und wussten: es kommen noch einige. Über die fehlende Betonnung, selbst wenn sie im Handbuch angegeben ist, machten wir uns kaum noch Gedanken. Allerdings wurde es plötzlich ein wenig unheimlich. Nach der Schleuse 29 soll man, laut Handbuch, in die Flussmitte fahren. Natürlich ohne Betonnung. Wo bitte, ist die Mitte? Pi mal Daumen hieß es da. Flussmitte waren wir nicht gewohnt hier. Schön langsam, aber alles ging gut.
In L´Isle-sur-Le-Doubs haben wir einen senkrechten Kai angefahren. Dahinter befindet sich nämlich eine Straßentankstelle, in 50 m Entfernung. Das war doch mal was und auch ein Einkaufszentrum. Mit unseren Kanistern ging es zur Tanke. Für 0,99€/L war es preiswert. Mussten zwar einige male laufen, aber so weit war es nun wirklich nicht. Danach bin ich mit Hacki noch in das Einkaufszentrum und habe Mineralwasser geholt. Es ist in Frankreich sehr schwierig Wasser mit Kohlensäure zu bekommen. Aber dort hatte ich Glück. Nach einer Stunde ging es weiter.
Es kam danach eine Brücke, im Handbuch angegeben mit 3,65 m .. das müsste für uns reiche. Wir hatten ja in Sete extra nachgemessen. Allerdings stand an der Brücke eine Schild mit der Höhenangabe von 3,40 m. Das wurde eng, aber es reichte. Kaum hatten wir uns beruhigt ging es weiter, nächste Brücke. Im Handbuch steht: 3,48 m, auf dem Schild: 3,30 m. Das konnte doch nicht sein... war aber so. Auch dort kamen wir durch ... aber es war SEHR eng.
Wenn so ein Tag mal ohne Probleme sein sollte, wäre das nicht langweilig? NEIN, erholsam. Aber es war uns nicht vergönnt. Die Schleuse 22 St-Maurice bei Longvelle Sur-Doubs hatte für uns ein Problem bereit. Übrigens unser erstes und einziges richtiges Problem mit einer Schleuse. Wir waren gut hoch geschleust, aber das Tor öffnete sich nicht. Nach einer Weile merkten wir: hier stimmt was nicht. An allen Häuschen an den Schleusen befindet sich eine Telefonanlage. Dort drückt man auf einen Knopf und wird mit der Leitstelle verbunden. Die freundliche Dame dort verstand sogar mein englisch und versprach jemand zu schicken. Irgendwie hatte ich ein unangenehmes Gefühl. Was wäre, wenn eine andere Yacht käme und die Schleuse wieder runterholen würde? So richtig war ich nicht zu beruhigen, vor allem nicht, als ich sah, das von unten eine andere Yacht kam. Allerdings konnten die nichts machen mit der Fernbedienung. Bert hatte mir in der Zwischenzeit gezeigt, das die Ampeln der Schleuse aus waren. Also konnte nichts passieren. Die beiden, es war die englische Motoryacht die wir schon früher gesehen hatten, würden sich nur wundern was los war.
Nach dem Anruf waren ungefähr 15 min vergangen als ein Auto der VNF auftauchte und der Mann diagnostizierte: kompletter Stromausfall. Wir hatten den Eindruck als würde er nicht so wirklich wissen was er machen sollte. Aber weitere 20 min später konnten wir weiter. Eine Information des Mechanikers ergab: in Dampiere gibt es eine Anlegestelle. Mittlerweile hatte sich das Wetter wieder verschlechtert. Zwischendurch war es recht warm geworden, jetzt blies uns der Wind kräftig entgegen und es wurde wieder recht frisch. Als "Galionsfigur" vorne auf dem Schiff, mit der Fernbedienung in der Hand wurde mir ziemlich kalt.
Noch 3 Schleusen .... hoffentlich hat der Mann recht. Dadurch, das wir jetzt nur noch im Kanal gefahren sind war nichts mehr mit Schwimmstegen. Eine Anlegestelle in Dampiere ist geplant, steht im Handbuch. Aber die planen wohl immer noch.
Nach der Schleuse 21 ist eine Hebebrücke ... wie bekommt man denn die bitte hoch? Aber das war überhaupt kein Problem. An der Schleuse wartete schon ein Mann von der VNF und gab bekannt: er fährt vor und öffnet die Brücke. Super organisiert. Es klappte hervorragend.
Das einzige was wir dringend benötigten war Trinkwasser. Aber an beiden Schleusen, an denen es, laut Handbuch Wasser geben sollte waren leider die Häuser nicht mehr bewohnt und verfallen. An der Schleuse Nr 20 hing zwar ein Gartenschlauch an dem haus, aber dort war niemand zu sehen. Man kann sich ja nicht einfach dort bedienen, also ohne Wasser weiter. Vor allem hätte der Schlauch eh nicht gereicht bis zu uns. Es wird schon gehen, mittlerweile hatte wir unsere Reserveflaschen mit Trinkwasser in den Tank gefüllt.
Gegen 16 Uhr haben wir direkt vor der Schleuse 18 festgemacht. Ein gerader Kai, an die Poller kamen wir zwar nicht mehr dran, aber dort stehen große Betonklötze. Die werden wohl halten, so unser Gedanke. Die Häuser hielten auch den Wind ab, so lagen wir recht ruhig.
Zum Abendessen gab es Putenschnitzel .... tja wenn man das französische Wort für Pute nicht kennt und meint, man hätte Schweineschnitzel gekauft ........ lecker war es trotzdem.