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18.06. Donnerstag

Heute morgen waren wir ausgeruhter und legten pünktlich um 8 Uhr vom Steg ab. Diesmal aber immer schön am rechten Ufer entlang. Offizielles rechtes Ufer, war für uns natürlich das Linke. Sollte jetzt jemand irritiert sein: Die Uferbezeichnungen werden immer in Strömungsrichtung des Flusses gemacht. Da wir zu der Zeit stromaufwärts fuhren war also das rechte Ufer unser linkes. Das gleiche gilt natürlich auch für die Betonnung.

Zur ersten Schleuse des Tages hatten wir es nicht weit, die hatten wir uns ja schon angesehen. Übrigens, die Brücke war für uns überhaupt nicht relevant. Kurz davor bog der Kanal wieder ab. Damit wurde es wieder sehr eng. In dem folgenden kleinen Städtchen sahen wir die Utopie liegen. Da war noch niemand wach.

Hatten wir auf der Rhone und der Saone noch Kilometer gezählt, zählten wir jetzt Schleusen. Zumindest stehen Kilometerangaben bei diesen im Handbuch. Gewöhnungsbedürftig. Somit begann unser Tag heute mit Schleuse Nr 67, bei km 18,333 und hatte eine Hubhöhe von 1,80 m.

Weiter ging es durch eine wunderschöne Landschaft, nur Angler sahen wir ständig. Das ist in Frankreich Volkssport. Solange sie die Angeln einziehen, wenn wir vorbeikommen ist das auch kein Problem. Ansonsten, tja dann zieht man sich Ärger an. Ehrlich gesagt haben wir überhaupt nicht verstanden als plötzlich Angler am Ufer ganz furchtbar anfingen zu schimpfen.  Erst viel später bemerkten wir, das wir eine Angelschnur hinter uns her zogen. Hmm, das war nicht beabsichtigt, aber wir können auch nicht zu weit vom Ufer weg. Also erst einmal an einen Schwimmsteg und und uns davon befreien. Mit dem Bug hatten wir sie eingefangen, jetzt war uns klar warum die so böse reagiert hatten.

Es war schön warm geworden und wir genossen, soweit es möglich war, die Fahrt. An den Wechsel: Fluss - Kanal - Fluss - Kanal gewöhnten wir uns auch und begriffen so langsam das System. Eigentlich gar nicht so schwierig, wenn man auf den Flussabschnitten sich wirklich ans Ufer hält. Nicht mehr als max 20 m davon weg. An die Betonnung halten? Tja sicher, wenn mal überall welche wäre, was aber nur in den wenigsten Fälle so war.

Aber ein Tag so ganz ohne Aufregung? Das wäre mal etwas gewesen. An diesem Donnerstag war es uns nicht vergönnt. Kurz nach der Ausfahrt der Schleuse 64 hörte sich der Motor plötzlich anders an. Kontrollblick aufs Kühlwasser zeigte: da kommt kaum noch etwas. Ganz schlecht. Was sagt das Handbuch über Anlegemöglichkeiten? Nichts. Aber vor uns eine so genannte Wachschleuse. Was ist das denn? Langsam schlichen wir weiter, festmachen am Rand des Kanals war für uns unmöglich, dazu haben wir zu viel Tiefgang. Vor uns die Wachschleuse. Uns kam ein Motorboot entgegen was einfach durch gefahren war. Zuruf: "Kann man dort einfach durch?" "Ja sicher." Wieder etwas gelernt. Keine wirkliche Schleuse, nur noch die Wände befanden sich dort. Aber zu unserem Glück entdeckten wir direkt vor der 63er einen Schwimmsteg. Dort machten wir fest um unseren Motor zu checken. Was war die Ursache für unser Problem? Der Impeller? Das wäre die schlechteste Variante. Oder doch "nur" etwas eingefangen an dem Ansauggitter des Kühlwassers? Das wäre das einfachste. Nur, wie bekommen wir das raus? Ins Wasser? In der Brühe sehen wir doch sowieso nichts. Vor allem: wir hatten schon wieder leicht aufgesetzt. Ziemlich flach alles. Es half nichts, wir mussten weiter. Eine mögliche Anlegestelle befand sich bei km 33,59. Im Schneckentempo fuhren wir durch den Wald. Noch kam ein wenig Kühlwasser. Die Kotrolle des Wasserfilters zeigte: der war es nicht, da war nichts drin. Aber auch dort kam kaum Wasser an. Kurz vor km 33 ging uns plötzlich die Fahrt raus. Wir guckten uns verwirrt an. Aufgesetzt? Nein, wir schwimmen kamen aber nicht vorwärts. Bert warf einen Blick aufs Wasser: "Wir haben einen Baumstamm eingefangen." Dieser war gegabelt und in genau diese Gabel hatte sich unser Bug verfangen. Also Rückwärtsgang rein und los von dem Ding.  Kurz darauf  befindet sich die Engstelle von Orchamps und eine Mechanische Schleuse (laut Handbuch), die man aber einfach durchfahren kann. Erst bei der Schleuse Nr 62 befindet sich wieder ein Schwimmsteg, der auch für uns genug Wassertiefe hatte. So geht es nicht weiter, hier mußte was passieren. Ich war schon drauf und dran in den Badeanzug zu schlüpfen uns ins Wasser zu gehen. Wahrscheinlich ohne Chance auf Erfolg. Da kam Bert auf die Idee: wir haben doch eine Fußpumpe. Ja sicher, unten in der Bakskiste. Also raus mit dem Ding. Die nächste Aktion gestaltete sich etwas abenteuerlich. Den Wasserfilter aufmachen, Seeventil zu und mit Hilfe der Fußpumpe Luft durch blasen. Aber .... es funktionierte. Ein Probelauf des Motors bestätigte was wir schon am Wasserfilter sahen: es kam wieder genügend Wasser für die Kühlung. Gott sei Dank!

Fernbedienung auf die Schleuse halten, auf grün warten und weiter gings. Gleich danach eine Hubbrücke, aber die war schon offen. Die sieht aus als würde sie nur geschlossen werden, wenn mal jemand zu dem Haus welches auf einem Inselchen steht, möchte. Also wohl nicht sehr oft. Einen km weiter kam schon die nächste Schleuse, aber vor dieser bot sich uns ein ungewöhnliches Bild. Wir hielten uns schön am rechten Ufer und fuhren weiter auf dem Kanal, während sich der Fluss neben uns, aber ca 2 Meter tiefer befand. Ein merkwürdiges Gefühl. So richtig ist dieses Bild nicht zu beschreiben.

Bei km 38 durchfuhren wir die Schleuse 61 und sahen vor uns den Anlegekai von Ranchot. Mit Wasser, Strom und Sanitäranlagen, jedenfalls laut Handbuch. Duschen, endlich mal wieder duschen .... so durchgeschwitzt und dreckig wie wir waren kam uns der Gedanke daran  vor wie Weihnachten. An dem steilen Kai lagen schon 2 Boote, aber wir passten noch gut mit ran. Allerdings mit allen dicken Fendern auf der Kaiseseite, ansonsten kamen wir zu dicht ran und setzten auf. Aber wir lagen genau zwischen 2 Brücken, also nichts mit schnellem fahren ... soweit das hier überhaupt möglich ist. Wo ist die Dusche? Am Ufer steht ein Häuschen mit 3 Türen, dorthin führte mich der erste Weg. Die erste Tür war abgeschlossen, die 2. offenbarte ein völlig versüfftes französisches Klo und die dritte ein ebenso dreckiges Waschbecken. Das war wohl nichts.

Aber es gab auch nirgendwo eine Möglichkeit sich anzumelden. Strom und Wasser hatte es aber am Steg. Immerhin etwas. Wie nun duschen? Immerhin haben wir Wasser und auch eine Dusche in unserem Bad. Somit kam diese das erste Mal zum Einsatz. Das Wasser war etwas kühl, aber bei 32°C im Schatten gar nicht so schlecht. Das tat so gut, wir lagen sehr idyllisch und uns ging es gut. Abends kam dann noch jemand und hat von allen Booten die Liegeplatzgebühr eingezogen: 7,50€.

19.06. Freitag

Nachdem es uns beiden schon morgens nicht sehr gut ging beschlossen wir einen Ruhetag einzulegen. Auch wenn wir unter Zeitdruck stehen, aber wenn einer zusammen klappt, davon haben wir beide nichts.

In einem kleinen Laden, wahrscheinlich dem Einzigen hier, kauften wir noch frisches Baguette. War das lecker, schmeckte ganz anders als die aus dem Supermarkt.

Hinter uns legte noch eine deutsche Motoryacht an, sie hatten wir schon auf der Saone getroffen. Infos wurden ausgetauscht, na eigentlich eher von denen an uns, sie waren die Strecke schon viermal gefahren.

Gegen Abend fing es an zu regnen und es kam auch niemand um die Gebühren zu kassieren.

20.06. Samstag

Unsere Abfahrt, morgens um 8 Uhr gestaltete sich nicht ganz einfach. Mal wieder mussten wir raus gezogen werden, diesmal mit Hilfe der Deutschen auf der Motoryacht. Aufregung am frühen Morgen, das begann schon gut. Dafür hatten wir schon um 8:20 Uhr die erste Schleuse des Tages hinter uns, Dampiere, Hubhöhe 2,36 m. Danach ging es in schon gewohntem Muster weiter, Kanalabschnitte mit Engstellen und die Abschnitte des Doubs. Die Fahrerei ist anstrengend.

Um 12 Uhr waren wir durch die Schleuse in Thoraise, dahinter ein Schwimmsteg und der Tunnel in Sicht. Ampel geregelt, steht im Handbuch. Ja, die Ampel sahen wir und sie stand auf rot. Wie bekommt man hier grünes Licht? Keine Ahnung, mit der Fernbedienung war nichts zu machen. Also weiter vorfahren, es tat sich gar nichts. Aber was war das denn? Vor und hinter dem Tunnel befanden sich Wasservorhänge. Ach jerrje das konnte was werden, oder war er evtl gesperrt? Aber da war nur ein rotes Licht. Vorsichtig erstmal wieder zurück, im Rückwärtsgang, drehen ging nicht, es war alles viel zu eng und an den Steg gelegt. Dort nutzten wir die zeit und pumpten mal wieder den Dreck von der Wasseransaugung weg. Da kam die deutsche Motoryacht aus der Schleuse. Was das mit dem roten Licht am Tunnel und dem Wasser dort war wußten auch sie nicht und fuhren einfach weiter. Mit dem Fernglas beobachteten wir sie. Kein grünes Licht erschien, was sie aber wenig kümmerte, sie schlichen sich einfach durch den Tunnel durch. Für uns hieß das: Leinen los und hinterher. Kaum waren wir an der Einfahrt des Tunnels war plötzlich das Wasser weg. An der Decke Lichtstreifen. Bert meinte nur: "Wenn jetzt noch Musik kommt komm ich mir vor wie im Phantasialand." Es kam keine Musik aber wir kamen gut durch und auch gut durch die enge Rechtskurve die diesem sofort folgt. Ein Rückblick verriet uns, das auch auf dieser Seite rotes Licht war. Ein Schulterzucken und weiter ging's.

Um 12:55 Uhr waren wir vor der Doppelschleuse 54-55, mechanisch steht im Handbuch. Die Schleusentore waren offen und die Motoryacht lag schon drin. Sie zeigten auf ihre Uhr, ach herrje stimmt ja .... Mittagspause. Die besetzten Schleusen haben zwischen 12:30 und 13:30 Uhr Mittagspause. Wir warteten davor, bis um 13:20 Uhr plötzlich ein grünes Licht anging. Wir sollten noch mit hinein. Vorsichtig tasteten wir uns vor. Oben stand der Schleusenwärter und nahm die Leinen ab, was ein Service. Gut, die Schleusenkammer war auch sehr hoch: 5,08 m. Ganz langsam ging es aufwärts. Danach gleich in die nächste Kammer. Diese war längst nicht so hoch und wir konnten sogar vom Boot aus die Poller belegen. Der freundliche Schleusenwärter gab uns dann noch kostenlos ein Touristenjournal und fragte, ob wir frischen Salat haben wollten. Wir nicht, aber die anderen beiden nahem den wirklich gut aussehenden Endiviensalat gern an. Was sie bezahlt haben weiß ich nicht. Um 14 Uhr waren wir dort wieder raus.

Ein anstrengende Fahrt, zum größten Teil auf dem Doubs ging weiter. Bei einer Schleuse trafen wir auf einen Mitarbeiter der VNF und fragten nach dem nächsten Schwimmsteg. Vor der nächsten Schleuse, war die Auskunft. Eine kurze Unterhaltung entspann sich, woher, wohin, wollen wir vor oder nach Besancon halten?

Tatsächlich, bei km 72, direkt vor der Schleuse kam so ein Steg. Wir waren jetzt schon in Besancon. Das war unser. Da standen zwar 2 Angler, aber auf unser Zurufen hatten die ihre Angelruten schnell eingezogen.

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