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15.06. Montag
Diesmal sind wir erst um 8 Uhr aufgestanden, was sollten wir früher? Es hatte die ganze Nacht geregnet, dementsprechend war draußen alles nass und nicht sehr einladend. Der "Schlawiner" war wieder unterwegs, Gruß an die beiden und "Gute Fahrt".
Nach dem Kaffee füllten wir unsere 20L Diesel aus dem Kanister in den Tank und ich machte mich auf zur nahe gelegenen Tankstelle. Vorher hatten wir nämlich gelesen, das an der Bootstanke der Liter Diesel 1,60 € kosten sollte. Das war definitiv zuviel. Vor dem Hafengebäude standen Einkaufswagen und so schnappte ich mir einen, Kanister rein und los zur Tankstelle. Es fing in Strömen an zu gießen. Angekommen sah ich druch meine Brille fast nichts mehr, bekam aber 20 L Diesel, konnte bezahlen und trat, naß wie eine Katze, den Rückweg an. Sah vielleicht etwas merkwürdig aus .... aber ich brauchte den schweren Kanister nicht zu tragen.
An Bord hatte Bert den Keilriemen raus bekommen und festgestellt, dass wir einen passenden nicht haben. Klasse, wozu hat man dann die Dinger an Bord? Rhetorische Frage an den Voreigner. In der Werkstatt vom Hafen gab es auch keinen passenden. Was tun? Aber das Personal dort war sehr freundlich und telefonierte für uns herum. Tatsächlich trieben sie einen Spezialladen für Keilriemen auf. Ob die einen passenden hatten? Das konnte so leider nicht beantwortet werden, da auf unserem alten Teil keine Nummer mehr war. Es blieb uns nichts anderes übrig, als mit einem Taxi dort hin zu fahren. Der Laden befand sich 5 km weiter und wir hätten nie hin gefunden. Im Hafen bot man uns sogar an, Fahrräder zu leihen. Aber wir mit Fahrrädern in einer Stadt in der wir uns nicht auskennen, in strömendem Regen unterwegs zu einem Laden von dem wir nicht mal wissen wo genau das ist? Das war zuviel.
Der Fahrer des Taxis war sehr nett, sprach englisch und übersetzte für uns in dem Laden auch noch. Tatsächlich, sie hatten einen passenden für uns, den alten hatten wir als Muster mitgenommen. Gekauft haben wir gleich 2 Stück, man weiß ja nie. Zurück im Hafen bekam unsere Euphorie einen kleinen Dämpfer: wo ist unser Schirm? Im Taxi. Na klasse, das wäre der zweite, der in Frankreich bleiben würde .... einen hatten wir vor ein paar Jahren schon auf dem Eifelturm vergessen. Wir standen noch an der Rezeption, als plötzlich der Fahrer des Taxi auftauchte ... mit unserem Schirm. "Den habt ihr vergessen und so etwas braucht man im Moment," war lachend sein Kommentar. Super! Vielen Dank.
Eigentlich hatten wir ja vor, mittags weiter zu fahren, aber das wurde alles viel zu eng. Es war schon 11 Uhr und wir mussten noch ca 3 mal zur Tanke laufen um unseren Diesel auf zu füllen. Also beschlossen wir, den Tag im Hafen zu verbringen, genug zu tun war.
Beim Einbau des neuen Riemens ging auch noch eine Schraube kaputt, ich hörte es nur fluchen. Zum Glück hatten wir dafür aber Ersatz. 15:40 Uhr, der Motor läuft wieder. Nein, so lange hat das alles nicht gedauert. Gegen 12 Uhr waren wir noch einmal los, wieder mit einem Einkaufswagen und dem 20 L Kanister. Bert zur Tanke, ich in einen direkt daneben liegenden Supermarkt. Meine Güte, war der riesig. Aber immerhin, nur 10 min zu Fuß. Eingekauft habe ich dann und draußen fest gestellt: keine Tüte dabei. Wirklich intelligent. Aber eine Regenjacke und die musste nun herhalten. Am Hafen angekommen wurden die Ärmel zusammen geknotet und den Einkauf darein. Sah schon ein bisschen seltsam aus, funktionierte aber. Mittlerweile schien die Sonne und wir schwitzten beide gut.
So ging das nicht weiter. An Bord die Entscheidung: Kanister für Diesel und ein "Hackenporsche" mussten her. Was das ist? Ein Einkaufstrolli, so zum hinter ziehen. Also wieder los. In dem Einkaufszentrum hatten wir schnell das Wägelchen gekauft und noch schneller auf "Hacki" getauft. Mit den Dieselkanistern sah es weniger gut aus. Überall gab es nur 10 L Kanister. Nach dem vierten Versuch entschieden wir: das muss auch gehen und kauften 2 Stück. Beide wurden an der Tankstelle gefüllt und zurück an Bord. Bezahlt haben da übrigens 0,98€/L.
Während Bert noch mal los war um Diesel zu holen wusch ich einige T-Shirts aus, wie Oma ... mit der Hand und hoffte sie trocken zu bekommen, es zogen schon wieder Regenwolken auf.
16.06. Dienstag
Heute kamen wir gut los, bei ziemlich bewölktem Himmel und es war mit 13°C ziemlich kühl. Das änderte sich gegen Mittag und es wurde wieder gut warm. Zusammen mit einer deutschen Motoryacht kamen wir gut durch die erste Schleuse an dem Tag. Die Braunschweiger hatten wir schon einige Tage vorher getroffen. Auf dem Fluss verliert man sich nicht, hat mal einer gesagt.
Bei km 179 kam dann die für uns letzte Schleuse auf der Saone. Jetzt hatten wir uns gerade auf diese eingerichtet, was würde uns in dem Kanal erwarten?
Am Nachmittag erreichten wir den Schwimmsteg, vor einem Campingplatz, in St.Jean de Lausne., bei km 215. Hier dürften wir sogar 72 Stunden frei liegen. Finden wir gut, aber diesmal werden wir das nicht ausnutzen. Morgen früh geht es weiter.
Ich muß zugeben, wir lagen am Schwimmsteg, da wir den Hafen nicht gefunden hatten ... soll heißen: wir haben die Einfahrt in diesen nicht für "voll" genommen, es gibt ihn schon. Aber so liegen wir kostenlos und viel ruhiger.
Gegen Abend kam noch eine Charter Motoryacht und eine deutsche Segelyacht, die Utopie. Erfahrungen wurden ausgetauscht .... mit den Deutschen. Die Herrschaften auf der Motoryacht hatten es nicht einmal nötig zu grüßen. Ganz tolle Erfahrungen machte der Skipper der Utopie am nächsten morgen, mit der Freundlichkeit dieser Herrschaften. Aber das war wirklich eine Ausnahme, ansonsten machten wir durchweg positive Erfahrungen mit anderen Crews.
Zwischendurch machten wir die Entdeckung, das wir, durch unser Verholen nach vorne, damit die anderen Platz hatten, festsaßen. Hilfsangebot des Skippers der Utopie kam sofort. Sollten wir morgen früh nicht alleine wegkommen zieht er uns raus. "Wann wollt ihr denn los?" "Um 8 Uhr."
17.06. Mittwoch
Es war wirklich Punkt 8 Uhr, keine Minute früher oder später, legte die Utopie ab. Bert meinte nur: "Deutsche Pünktlichkeit." Wir mußten grinsen. Dann versuchten wir unser Glück und ... kamen tatsächlich alleine rückwärts raus. Mit winken, zum Dank, verabschiedeten wir uns erstmal von ihnen. Sie mussten noch in den Hafen, Handbuch kaufen und Vignette. Wie es ihnen gelungen war ohne diese bis dort hin zu kommen wird mir immer ein Rätsel bleiben.
Allerdings fuhren auch wir ein Stück zurück, zu einem Tankschiff. Noch einmal voll tanken war angesagt, bevor wir uns in die Doubs wagen wollten, wer weiß wie es dort mit Diesel aussieht. Für 1,15€/Liter war das völlig in Ordnung.
Danach ging es weiter Richtung Rhein-Rhone Kanal. Die Einfahrt sei gut beschildert, steht im Handbuch. Ahja, nur sollte dabei stehen, wie klein diese Einfahrt ist und das das besagte Schild von Bäumen verdeckt sein kann. Klein? Das ist gar kein Ausdruck, es kam uns winzig vor. Die Einfahrt in diesen Kanal besteht aus dem Schleusentor der Schleuse Nr 75. Damit man gleich weiß was einen weiterhin erwartet. Nein, wahrscheinlich nicht ... aber so kam es uns vor. Schallsignal geben, steht im Handbuch. Also drückten wir kräftig auf die Hupe. Abwarten was passiert. Tatsächlich, kurz darauf öffnete sich das Tor und die Ampel ging auf grün.
"Ach du lieber Himmel, da passen wir ja kaum rein," rief Bert vom Ruder. Das war vielleicht etwas übertrieben, aber in dem Moment kam es uns so vor. Auch die Schleusenwände waren recht hoch, zum Glück stand oben der Schleusenwärter und nahm mir die beiden langen Leinen ab. Er belegte mit den großen Augen die Poller und wir brauchten nur noch straff zu ziehen. Kaum war es geschafft gign es auch schon aufwärts. Das Wasser schoss nur so herein, unglaublicher mit welcher Wucht. Das konnte ja lustig werden. Von wegen: auf Verwirbelungen achten bei den Großschifffahrtsschleusen, was bitte ... war das denn hier? So etwas hatten wir noch nicht erlebt. Ziemlich schnell waren wir dann die knapp 4 m weiter oben. Für mich hieß es: runter vom Boot und hinter dem freundlichen Schleusenwärter in sein Häuschen. Dort bekam ich dann die Fernbedienung für die weiteren Automatikschleusen, mit 12 V Ladegerät in einem Koffer, überreicht. Immerhin war die Sprache auf deutsch eingestellt. Der Mensch erklärte es mir, auf französisch versteht sich ..... und meinte immer wieder, es sei ganz einfach und simpel. Wir werden sehen. Das war um 9:15Uhr.
Zurück an Bord ging es weiter. Was uns auffiel: es gab keine Lichter am Tor .... für die Ausfahrt. Aha, wenn es offen ist ... raus. Gut zu wissen. Also ab in den Kanal. Was war das denn? Irritiert guckten wir uns an und Bert umfasste das Steuer fester. SO eng hatten wir uns das nicht vorgestellt. Wir fuhren zwischen Seerosen dahin. Bloß schön langsam machen und die Hoffnung, das nichts entgegen kommt. Wo sollte man denn hier hin? An Land springen kann unsere Anjuli nicht.
Sehr weit brauchten wir nicht zu fahren, nur 400m. Die nächste Schleuse. Mussten wir uns hier schon mit der Fernbedienung anmelden? Sah fast so aus. Wie war das? Anschalten, auf die Schleuse halten, warten bis auf dem Display erscheint, rauf oder runter schleusen (Taste 1 oder 2 drücken), dann warten bis ein gelbes Blinklicht an der Schleusenampel erscheint und auf dem Display gleichzeitig: Anfrage erhalten. Dann kommt auch irgendwann das grüne Licht für die freie Einfahrt. Klappte also. Genauso eng, aber der Schock darüber war nicht mehr so groß. Auch diesmal stand jemand oben und nahm mir, mit einem Schleusenhaken, die Leinen ab. Der Herr zeigte uns dann wie das mit den Standen funktioniert. Auf die hatte ich überhaupt nicht geachtet. Also: blaue Stange kurz anheben, dann erklingt ein Signal und der Schleusenvorgang beginnt. Die rote Stange nur im Notfall ziehen. Gut, das hab ich begriffen. Klingt nicht so schwer.
Weiter ging es in dem engen Kanal.
Die nächste Schleuse wartete schon auf uns, Nr. 73. Das Spiel mit der Fernbedienung wiederholte sich, so langsam bekam ich den Dreh raus, ganz vorne aufs Vorschiff .... so ging es am Besten. Nur war diesmal niemand da der die leinen abnahm. Jetzt ging es los. Die Leiter, wir müssen die Leiter treffen, war mein Gedanke. Vor allem befanden sich die Stangen diesmal auf der anderen Seite. So schnell wie möglich die beiden langen Leinen umbauen. Dann konnte ich die Leiter greifen und ließ sie auch nicht mehr los, etwas schwierig, da sie ziemlich glitschig war. Also das muß anders werden. Bert machte uns erstmal an dieser fest und ich wollte mit den großen Augen der Leinen über die Schultern, die Leiter hoch klettern. Das klappte so nicht, also nur die Vorderleine mitnehmen. Die Achterleine warf mir Bert dann zu. Kam mir vor wie ein Affe. Wie viel Schleusen lagen noch vor uns? Bloß nicht darüber nachdenken. Oben belegte ich die Poller und stellte fest: die Stange war vom Boot her nicht zu erreichen. Also oben bleiben, die Stange hoch schieben, flott die Leiter wieder runter und zu "meiner" Vorleine. So funktionierte das wirklich. Danke für den Tipp, an die Besatzung des "Schlawiners". Die Schleuse ging zu, das Wasser kam mit der schon erwarteten Macht. Also die Leinen machen was mit .... aber Bert holte am Heck mit der Winsch immer wieder die Lose rein.
Schleuse im Rhein Rhone Kanal - MyVideo
Kaum aus der Schleuse raus richteten wir uns noch zwei lange Leinen. Jetzt mussten wir nicht mehr umbauen. Auch gewöhnten wir uns sehr schnell an, mit dem Fernglas zu gucken an welcher Seite die Stangen in den Schleusen waren. Zum vorläufigen Festmachen an den Treppen wurden auf beide Seiten kurze Festmacher befestigt.
So kamen die Schleusen 72 bis 69, nach dem gleichen Schema. Dann die Nr 68. Mit der Fernbedienung stand ich etwas verzweifelt am Bug. Sie reagierte einfach nicht. Plötzlich kam von Bert: "Da ist jemand in dem Häuschen." Tatsächlich, eine junge Frau. Sie ließ uns einfahren und belegte auch die Poller. Was für ein Luxus. Wir bereiteten uns wieder vor und ... was dann kam glich einem Witz. Eine Hubhöhe von 30 cm. Das Wasser rauschte nicht hinein, es plätscherte herein.
Auf der Fahrt dorthin waren wir auch schon an Engstellen vorbei gekommen. Diese sind im Handbuch auch angegeben, aber wir konnten uns nicht vorstellen, das es noch enger werden sollte als es eh schon war. Doch, es sollte. Vor allem unter Brücken. Teilweise mußten wir hupen damit uns nicht jemand entgegen kam.
Auch bei den Ausfahrten der Schleusen hieß es aufpassen, da die Schleusenwände sehr niedrig sind, so ca 30 cm hoch. Da hieß es, die Fender so tief wie möglich hängen.
Als hätten wir an dem Tag nicht schon genug Aufregung gehabt, ging das Theater nach der Schleuse 68 erst richtig los. Danach kam der erste Abschnitt der Doubs. Soll heißen, der erste Abschnitt (für uns, die von oben kommen) des Rhein-Rhone Kanals der nicht kanalisiert ist und man auf dem Fluss fährt, ca 1 km lang. Im Handbuch steht: nicht in offenem Wasser fahren. So weit, so gut. Zum Folgenden kann ich nur sagen: wir waren kaputt und völlig fertig, jedenfalls nicht mehr sehr konzentriert. Jedenfalls übersahen wir die kleinen grünen Stangen. Bei voller Fahrt von 5 kn, dem Blick auf die vor uns liegende Brücke, machte es plötzlich "brummm". Nichts ging mehr. Wir saßen fest. Auch mit Vollgas rückwärts war nichts zu machen. Erst in dem Moment realisierten wir die grünen "Stängchen". Die waren soweit am Ufer das wir uns erschrocken anguckten. Half aber jetzt alles nichts mehr. Guter Rat war teuer. Niemand in Sicht und es war 13:15 Uhr. Mittagspause an der Schleuse. Aber wie hätten wir die benachrichtigen sollen? Telefonnummer hatten wir nicht und ans Ufer schwimmen? Völlig illusorisch. Auch beim Schifffahrtsamt war niemand zu erreichen.
Weit voraus sahen wir eine große Motoryacht liegen. Aber auf unser Hupen reagierte niemand. Auch an der Funke war nichts zu machen. Es blieb nichts anderes als zu warten, was bei 30°C nicht so toll war. Bert bastelte, in der Zwischenzeit, eine Travalle an die beiden Winschen. Jetzt brauchten wir nur noch jemanden der uns herauszog. Gegen 14 Uhr sahen wir, das Leute auf das Motorboot gingen. Wir hupten und winkten wie die Blöden. Zwischendurch wieder versucht frei zu kommen. Keine Chance. Auch mit Gewichtsverlagerung aufs Heck, alles reine Theorie. Dann legte das Motorboot ab. "Haben die uns gesehen? Die haben eine deutsche Flagge an Bord." Nochmals kräftig hupen ... tatsächlich, sie kamen auf uns zu. Für sie kein Problem, sie hatten keinen Kiel. Kurze Erklärung, als sie in Rufweite waren. Schnell hatten die begriffen und kamen mit dem Heck zu uns. Die Leine der Travalle rüber, bei denen fest gemacht und sie zogen uns heraus und auch gleich in tiefes Wasser. Ein herzliches Dankeschön an die Besatzung und gute Fahrt. Wir waren mit den Nerven ein wenig am Ende. Die nächste Schleuse noch machen? Es war noch früh am Tag. Wir fuhren, immer schön am Ufer lang, Richtung Schleuse. Aber dort ging es so eng um die Kurve und es war nicht wirklich viel zu erkennen. Nein, nicht mehr für uns heute. Bert hatte jedoch einen freien Schwimmsteg an der 68er Schleuse gesehen, also drehen und dorthin zurück. Keinen Meter mehr weiter für heute.
Gegen 16:30 Uhr kam die Utopie aus der Schleuse. Wir brüllte rüber: "Dicht am Ufer bleiben, wir sind aufgesetzt." Sie fuhren sehr langsam, plötzlich bogen sie nach rechts, Richtung Mitte Strom ab. Was wird das denn? So kommen sie nicht weit. Des Rätsels Lösung war uns schnell klar. Sie hatten den Steg, an dem vorher die Motoryacht gelegen hatte, gesehen. Dahinter wohl auch den Lidl. "Das geht nicht gut", meinte Bert. Plötzlich stoppte sie. "Aha." Rückwärtsgang rein und zurück an´s linke Ufer. Sie kamen wieder raus, offensichtlich suchten auch sie eine Anlegemöglichkeit.