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12.06. Freitag
Unser erstes Erlebnis des Tages hatten wir schon morgens gleich. Dabei sah alles so gut aus. Das Anfunken der Schleuse brachte das gleiche Ergebnis wie immer: " ich spreche kein englisch." Aber wir sollten auf grün warten ... kam dann doch auf englisch. Dann schaltete die Schleusenampel auch auf grün. "Ich habe ein komisches Gefühl," meinte ich zu Bert. Wir legten ab und fuhren auf die offene Schleuse zu. Kurz bevor wir drinn waren schaltete die Ampel plötzlich auf rot. "Was soll das denn?" Im gleichen Moment kam, per Lautsprecher, die Durchsage: "Sportboot bitte an den Wartesteg fahren und auf ein Berufsschiff warten." Klasse, ehrlich. Ich gebe hier besser nicht wieder was wir dem Schleusenwärter gewünscht hatten. Also zurück an den Steg. Ein kleines Arbeitsboot kam noch und machte an den Dalben fest. Mal gucken, was da kommen würde. Ein riesen Passagierschiff, die deutsche Arosa. Damit wollten wir eigentlich nicht rein. Das kleine Arbeitschiff hatte diese Bedenken wohl nicht und fuhr hinterher. Die Ampel blieb auf grün und wir am Steg. Plötzlich wieder der Lautsprecher:" Sportboot bitte einfahren." Uns blieb nichts anderes übrig, als ebenfalls in die Schleuse zu fahren. Aber es ging tatsächlich und zwar recht gut. Dennoch war uns so richtig wohl dabei nicht.
Gegen Mittag erreichten wir Lyon. Dort ging es dann in die Saone. Ein Erlebnis mitten durch die Stadt zu fahren. Leider hatten wir keine Zeit um sie uns anzusehen. Im Grunde waren wir aber froh, als wir wieder aus der Stadt raus waren. Was für ein Lärm.
Jetzt konnten wir unser Rhone Handbuch gegen das der Saone austauschen. Wieder eins "abgearbeitet". Dieser Fluss hat bei weitem nicht die Strömung der Rhone, wir kamen richtig flott vorwärts. Tut gut.
Um 13:45 Uhr die erste Schleuse dort. Was erwartet uns? Wie geht das hier? Fragen über Fragen. Das Handbuch verriet uns: 4m Hubhöhe. Aber keine Schwimmpoller. Einiges Chaos auf dem Schiff, bei der nächsten muß das anders gehen. Dennoch verlief alles gut.
Richtig flott ging es weiter. Ab jetzt geht die km Zählung aufwärts. Bei km 30 legten wir am Schwimmsteg von Trévoux an. Für 5 €/Nacht, incl Strom und für 2€/Person auch duschen. Billiger geht es nicht. Alles bei 30°C im Schatten und strahlendem Sonnenschein. Sogar die SAT Schüssel holten wir raus, auf ca 155° eingestellt .... WOW wir haben Empfang. Radio und Fernsehen waren sicher gestellt. Das darf man sich doch auch mal gönnen.
Etwas später kam noch eine andere deutsche Segelyacht an den Steg, die "Schlawiner" aus Bremen. Auch sie auf der Fahrt nach Deutschland. Irgendwie ist immer die erste Frage: hoch oder runter? wenn man sich begegnet. Wo kommt ihr her, wo wollt hier hin? Hinter uns lag die "Hannelore", ein deutsches Motorboot.
Zuerst einmal gingen wir duschen, welch ein Genuss. Die Duschen befinden sich dort auf dem Campingplatz, an dem der Steg liegt. Sehr praktisch, vor allem da dort auch eine Kneipe war. Ein kaltes Bier rundete den Tag ab.
13.06. Samstag
Kurz nach 8 Uhr sind wir wieder los. Die Kühle morgens muss auch ausgenutzt werden. Es versprach wieder ein heißer Tag zu werden. Schon um 11 Uhr machten wir allerdings wieder fest. Ein Edeka Laden war in Sicht gekommen, nu 500m vom Schwimmsteg entfernt. Das durften wir uns nicht entgehen lassen. Da konnte man sogar mit dem Einkaufswagen bis zum Steg fahren.
Auch der "Schlawiner" legte an. Kommentar von Ute: "Wir haben uns schon gewundert, warum ihr hier schon wieder anlegt, bis wir den Laden gesehen haben." Nebenbei holten wir uns von den beiden Tipps für die nächsten Schleusen. Sie hatten die Tour, runter, schon einmal gefahren. Also fertigten wir 4 lange Leinen mit sehr großen "Augen" an. " 2 Std später erreichten wir die nächste Schleuse. Jetzt würde sich zeigen, was der Tipp wert war. Ja, so geht es wesentlich besser, wenn sich nicht der Bootshaken darin verfängt. "Scheißteil!"
Zusammen mit dem "Schlawiner" ging es weiter. Bei brütender Sonne, 34°C im Schatten ... bis km 80. Laut Plan gibt es in Macon nur eine Brücke, Schwimmstege gleich dahinter. Das es dort mittlerweile noch eine neue Brücke gibt, davon wußten wir nichts. Auch die beiden auf dem "Schlawiner" waren irritiert. Was nun? Irgendwo müssen diese Pontons doch sein. Waren sie auch, nur halt nicht da wo wir sie vermutet hatten.
Für beide Boote war auch genug Platz. Kurz darauf saßen wir 4 dann gemütlich an Bord des "Schlawiners" zusammen. Respekt vor den beiden. Sie kamen aus Alicante, über Sete und dann den gleichen Weg wie wir. Nur kann Michael durch seine halbseiten Lähmung nicht vorne mithelfen. Beide wollen noch bis Bremen, fahren aber die Mosel hoch.
Unser Abendessen bestand aus Eiersalat, frischem Baguette und Schinken, bei 33,2°C im Boot.
14.06. Sonntag
Morgens kamen wir nur schwer aus dem Bett, gestern Abend war es doch länger geworden, mit Ute und Michael. War aber lustig gewesen, also nimmt man das mal in Kauf. Ein Blick von Bord zeigte uns allerdings ein kleines Problem auf: die Strecke nach oben war gesperrt. Eine Ruderregatta war schon morgens um 8 Uhr im Gange. Aber um Macon gibt es einen Umgehungskanal. Also wieder zurück und diesen dann gefahren.
Nach ruhiger Fahrt erreichten wir mittags die nächste Schleuse und mussten warten. Ein großes Hotelschiff käme noch. Dann die Info: beide Yachten mit rein. Da es das letzte mal gut gelaufen war hatten wir diesmal nicht ganz so viel Angst. Allerdings lag der "Schlawiner" schon auf "unserer" Steuerbordseite. Also alles umbauen. Späterer Kommentar von Ute: "Ihr werdet richtig gut in den Schleusen." Dazu konnte ich nur schief grinsen, war total durchgeschwitzt.
Schon gegen 15 Uhr kamen wir bei km 142 an, Ville de Chalon-Sur-Saone, im Port de Plaisance. Hier lagen wir an einem Steg, mit Strom, Dusche und können Diesel tanken, für 17,35€/Nacht. Beim anmelden in der Capitanerie bekamen wir mit, das ganz in der Nähe ein MacDonalds sein sollte. Das war doch mal was. Auch die beiden Männer brauchten wir nicht lange zu überreden, sie bekamen schon glänzende Augen bei dem Wort "Burger". Über das Abendessen mussten wir uns keine Gedanken machen. Allerdings lief nicht alles so gut, wie geplant. Wäre ja auch mal ein Wunder gewesen.
Als ich vom Duschen zurück kam, nebenbei: es ging ein Gewitterguss vom Feinsten herunter, hatte Bert eine Hiobsbotschaft die den gsamten Zeitplan durcheinander brachte. Der Keilriemen vom Motor ist eingerissen und hängt nur noch am seidenen Faden. So können wir definitiv nicht weiter fahren. Wir haben noch Ersatzkeilriemen dabei, aber ob davon einer passt? Keine Ahnung. Morgen früh werden wir erstmal den kaputten ausbauen müssen und gucken. Im Grunde war es ein Glück, das Bert das hier im Hafen gesehen hatte, wenn der in einer Schleuse oder auch auf dem Fluss gerissen wäre .... bloß nicht darüber nachdenken.
Aber unseren Maces Besuch ließen wir uns dadurch nicht vermiesen. Dann verabschiedeten wir uns von Michael und Ute, beide wollten morgen früh gleich weiter. Das uns noch jemand unser Stromkabel abgezogen hatte verbesserte unsere Stimmung nicht wirklich.
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