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01.06. Montag
Der Wecker klingelte diesmal um 5 Uhr, was für eine Zeit <gähn>. Es war ziemlich bewölkt und mit 18°C nicht sehr warm. Diesmal lieber gleich in die Regensachen, man kann ja nie wissen. Unsere nassen Klamotten, von gestern, sind auch noch nicht trocken.
Um 6:15 Uhr abgelegt.
Die See ist sehr ruhig und kein Wind.
Auf dem Laptop die Route abgesetzt. 57 sm, ach herrje. 4 kn Fahrt, unter Motor versteht sich. Ich habe furchtbar gefroren und wurde überhaupt nicht warm. Um 8 Uhr noch mal ins Bett, vielleicht hilft´s ja. Das war nix und schlafen konnte ich eh nicht. Also wieder raus.
Ruhiges Flautenfahren. Oskar steuert. Gegen 10 Uhr kam die Sonne raus und das mit macht. Es wurde jetzt richtig warm. Tatsächlich kam um 10:30 Uhr auch Wind dazu, Genua raus und 5kn Fahrt. Geht doch. Es wurde immer heißer. Jetzt war auch mir warm. Kurze Hosen und T-shirt waren nun angesagt. Das würde eine lange Fahrt werden.
Wind schläft wieder ein, Wellenhöhe ca 1,5 m, eine ziemliche Schaukelei das Ganze. Aber es half alles nichts, bei keinem Wind bringt die Genua gar nichts und killt nur ständig. Also wieder rein, ging tatsächlich gut, man soll allerdings nicht den Tag vor dem Abend loben.
Entspannung und lesen war angesagt. Hätten wir uns evtl mit Sonnenschutzmittel einreiben sollen? Die Frage kam ein bisschen zu spät. Wie es denn mal so ist, der Wind kam wieder, mit sehr moderaten 3 Bft, die Wellenhöhe nahm ab und unsere Anjuli Nui zog gut vorwärts. Sollte jetzt jemand fragen, warum wir das Groß nicht hoch zogen .... es war ein Gefühl.
Das dieses gut und richtig gewesen war stellte sich um 15:30 Uhr raus. Mit einem Mal frischte es auf 6 -7 Bft auf.. Die Genua wieder rein. Guter Gedanke, wenn's denn geht. Diesmal ging es nicht. Schlecht .... ganz schlecht. Dann überschlugen sich die Ereignisse. Wir ließen die Genua ausrauschen, um den Druck zu nehmen und Bert versuchte mit Hilfe der Winsch sie einzurollen. Klappte halbwegs. Zur gleichen Zeit, ich guckte gerade auf den Laptop und merkte plötzlich ... hier geht nichts mehr. Kein Strom. Kompletter Stromausfall und wir kämpften noch immer mit dem Wind und der Genua. Kein GPS, kein Laptop und .... kein Oskar!. Das registrierten wir aber zu spät. Sete schon in Sicht. Bert ließ Genua Genua sein ... war eh nur noch wenig draußen ... und überbrückte die Batterie. Wieder Strom.... gut so ... ja wenn nur jemand an den Autopiloten gedacht hätte. Wir waren beide unten, als wir durchs Fenster plötzlich nur noch Wasser sahen. Da stimmte was gewaltig nicht. Oskar hatte plötzlich wieder Strom bekommen und sponn herum. Soll heißen, er fuhr mit uns eine Wende ... nur nicht gerade langsam. Beide stürzten wir auf Deck ... Oskar aus ... Himmel wohin müssen wir denn eigentlich? Selber steuern war erstmal angesagt, nachdem die Richtung geklärt war. Blick auf die Karte:"Wir fahren gerade direkt auf ein Sperrgebiet zu!" brüllte ich von unten. Upss ... Kursänderung. Oskar nahm seinen Betrieb wieder klaglos auf und wir schrammten gerade noch dran vorbei.
"Wo ist die Hafeneinfahrt?" Kleine Diskussion, dann sahen wir die Leuchtfeuer. Um 18:30 Uhr waren wir da und noch kein Liegeplatz in Sicht. Beide völlig fertig. Aber eine Möglichkeit bot sich uns, im Yachthafen konnten wir an einer anderen Yacht als Päckchen festmachen. Hatten wir vorher auch noch nie gemacht, ging aber.
Ein sehr freundlicher Stegnachbar gab uns sogar seinen Schlüssel für das Hafentor. So konnten wir noch essen gehen. Das brauchten wir beide auch, zum Kochen hatte niemand mehr Lust. Fischteller und Wein gab es (42 €).
02.06. Dienstag
Nachdem es uns am Abend vorher nicht möglich gewesen war, eine konkrete Öffnungszeit der Hebebrücken heraus zu bekommen (die Infos gingen von 7 Uhr, über 10 Uhr bis zu 8 Uhr), legten wir morgens um kurz nach 7 Uhr ab. Heute mussten wir in die Werft, zum Mast legen. Einen Plan, wo sie ist, hatten wir bekommen. Schon in Deutschland hatten wir uns dort angemeldet, per Internet. Das ging ja alles ganz gut, da konnten wir die mails mit einem Übersetzungsprogramm auch lesen. Nur, das half uns jetzt wenig. Wir hofften, das dort irgend jemand deutsch oder englisch sprach. Aber erstmal hin.
Vor der ersten Brücke, die natürlich noch zu war, gab es einen Kai zum Anlegen. Eine andere Segelyacht und ein großer Trawler lagen schon dort. Aber für uns fand sich noch ein Plätzchen. Vielleicht wissen die vom Trawler ja wann die Brücke aufmacht. Also nichts wie hin. Tatsächlich sprach dort jemand englisch... was ein Wunder ... um 8:30 Uhr hieß es. Dann hatten wir ja noch Zeit.
Aber die Zeit mussten wir nutzen. Erstmal unsere Genua runter. Dazu aber musste sie erstmal wieder ausgerollt werden. Ohne Druck ging dies aber relativ einfach. Dann das Groß runter. An Land legten wir die Segel dann zusammen und ab in die Segelsäcke. Wohin damit? Ab in die Heckkabine. Dort sieht es aus wie nach nem Krieg .... egal, die müssen da jetzt rein.
Tatsächlich, um 8:30 Uhr konnten wir unter der ersten Hebebrücke durchfahren. Mit uns noch einige andere Boote, von denen wir hofften, das sie wussten wie es hier weiter geht. Insgesamt waren es vier Brücken ... aber alles klappte gut.
Dann waren wir in einem Binnengewässer in dem man sich tunlichst an die Betonnung hält ... sonst liegt man schnell auf irgendwelchen angelegten Austernbänken.
"Wo ist denn nur die Werft? So groß ist das doch hier gar nicht." Ausguck mit dem Fernglas. "Da, da ist was." Ja, wir hatten sie gefunden und auch den Eingang zum Canal du Midi. "Huch, das wird aber eng." Uns darum Gedanken machen, dafür hatten wir noch Zeit. Erstmal musste der Mast runter.
Am Werftgelände legten wir erstmal ganz außen an. "Ähm, wie komme ich denn jetzt hier runter?" ich war mir nicht sicher. Über den Bugspriet. Aha ... na gut, meine Kletterkünste halten sich in Grenzen. Endlich auf dem Steg und mit der Info des Bootsnachbarn: "Hier können Sie aber nur 2 min liegen bleiben," (der kann mich mal...) machte ich mich auf die Suche nach dem Chef. Gefunden war der schnell, nur holten die gerade einen Kat raus. "10 min," meinte er. Französische Minuten wohl ... das dauerte ungefähr eine 3/4 Std. Die Sonne knallte uns in der Zeit ziemlich auf den Kopf. Dann endlich kam er an und meinte doch glatt: "ja übermorgen können wir den Mast legen." Das ging nun gar nicht ... wir hatten Zeitdruck. Nach einigem hin und her hieß es dann ... heute Nachmittag gegen 16 Uhr. Das klang schon anders. In der Zwischenzeit mussten wir weiter nach vorne verholen. Leuchtete ein ... so kam der Kran ja nie an uns dran. Aber bei starkem Seitenwind und der Enge des Ganzen nicht so einfach. Vor allem hatten wir gesehen, das es ganz vorne nicht sehr tief war. Der wird schon wissen was er tut, war unser Gedanke.
Das Verholen klappte gut und wir warteten darauf was sich tun würde. Um 15 Uhr kamen 2 Leute an Bord, die sich unseren Mast genau anguckten. Wir hatten gesagt, das wir keine Erfahrung hatten und Hilfe benötigten. Da müsse jemand hoch ... warum denn das? Es wurde uns sehr ausführlich und freundlich erklärt ... nur verstanden wir kein Wort. Sie sprachen weder englisch noch deutsch und wir kein französisch. "Unsere Saling ist zu tief, die müssen einen Festmachpunkt weiter oben noch setzen," Bert hatte den Lichtblick. Dann gingen wir daran unsere Halterungen für die Wanten und den Mast zu lösen ... zumindest waren wir sehr willig. Bis auf 3 konnten wir das auch tun. Aber für dieses brauchten wir anderes Werkzeug. Als die beiden Männer zurück kamen erklärten wir unser Problem. Aber die hatten schon Werkzeug dabei. Was ein Gemachs. Dazu kam noch, das wir noch mal verholen mußten. Genau einen Platz zurück. Ging aber, mit Hilfe und langen Leinen recht gut. Bloß der Nachbar jetzt war nicht sehr erfreut. Dem waren unsere Fender zu dreckig. Er hatte ein neues Schiff und wollte unsere nicht an dieses kommen lassen. Mann... hat der Mensch keine anderen Sorgen???
Ich zog mich zurück .. an Bord waren mittlerweile 5 Männer, Bert incl. Die würden doch wohl klarkommen. Da enterte der eine den Mast hoch, im Bootsmansstuhl ... wie ein Affe. Faszinierend.
Dann kam der Kran und sie hängten unseren Mast daran, sehr vorsichtig wurde er hoch gehoben. Mit sehr gemischten Gefühlen betrachtete ich das Ganze. An Land legte er ihn ab. Dort konnten wir dann alles zusammen binden. Die Genuaschiene, die Wanten, die eingeklappte Saling.
Dann gings zurück an Bord. Über den Geräteträger nach vorn auf den Bugspriet. Alles mit Spanngurten gesichert und in die Mitte eine Stütze aus Holz gebaut. Das hatte Bert sich auf der Werft besorgt. Auch diese verspannt.
Hoffentlich hält das alles.
In der Werft durften wir nicht liegen bleiben, also ging es gegen 17:30 Uhr wieder los. Zum Kanal war es nun nicht wirklich weit und wir wollten noch bis Frontignon. Vor die erste Hebebrücke. Dort sollte es, laut Handbuch, Liegemöglichkeiten geben.
Gab es auch. Vor einer Mietyacht liefen wir den Kai an. Bert sprang an Land, mit einer Leine und ich sollte nun schön vorsichtig rückwärts da eindampfen. Tja ... nur ging das nicht. "Was mach ich denn verkehrt?" rief ich, schon etwas verzweifelt, rüber. "Gar nichts... das geht nicht." Also er wieder aufs Schiff... Was war gewesen? Wir hatten, zum ersten mal, zuviel Tiefgang. Der Kai geht schrägt runter. Was tun? Frage an das Ehepaar auf der Mietyacht "Dürfen wir längseits kommen?" Durften wir. Phuuu... genug Aufregung für heute. Jetzt lagen wir sicher.