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Überführung
01.07.2009
Nach genau 4 Wochen und 2 Tagen sind wir gestern Nachmittag im Lampertheimer Altrhein eingelaufen und haben am Bootshaus Kern festgemacht, Ein wenig komisch kam es uns vor und so richtig wieder da sind wir auch noch nicht. Das Hochgefühl "Wie haben es geschafft!" stellte sich nicht ein. Wir lagen mal wieder in einem Hafen ... aber heute früh ging es nicht weiter. Merkwürdiges Gefühl.
Gestern nahmen wir nur die nötigsten Sachen mit und fuhren nach Hause, nachdem wir unsere Anjuli Nui fest vertäut und uns bei ihr bedankt hatten. Vor allem auch beim Motor.
Jetzt geht es an die große Instandsetzung, das aber muß genau geplant werden. Womit anfangen? Einen Bericht über unsere Überführung wird es noch geben, aber dafür brauch ich ein bisserl Zeit. Von unterwegs ging es nicht und mein "Tagebuch" muß ich erstmal ausarbeiten. Wird die nächsten Tage starten.
04.06.2009
Bericht über die Überführung der Anjuli Nui von Ampuriabrava über Sete, Canal du Midi, Rhone, Saone, Rhein-Rhone Kanal und den Rhein in den Lampertheimer Altrhein (Deutschland)
Am 27.05.09 begann unser Abenteuer mit einer Busfahrt. Vom Ludwigshafener Hauptbahnhof fuhren wir mit mit dem Zubringerbus nach Frankfurt/Hahn. Bezahlt haben wir für diese 1 1/2 stündige Busfahrt 18€/Person. Klappte alles sehr gut, wobei wir uns vorher auf deren Webseite schlau gemacht hatten (www.hahn-express.de). Da stand zwar: man müsse sich nicht anmelden .... aber bitte, was macht man wenn der Bus voll ist? Keine Ahnung, wir werden sehen. Am Bahnhof war, außer uns, keine Socke.
Hoffentlich kommt der überhaupt. Er kam und war relativ voll, aber für uns hatten sie noch Plätze. Busfahren ist nicht gerade unsere Stärke und wir waren froh am Hahn angekommen zu sein. Da wir diesmal Gepäck dabei hatten guckten wir uns nach Kofferwagen um. Ja, da waren welche. Aber als Bert sah, dass diese 2€ kosteten war klar: wir schleppen selber.
Am Terminal angekommen hatten wir das Gefühl, unsere Taschen waren sehr viel schwerer als die zugelassenen 15 kg. Also wiegen ... nur was machen wir, wenn sie wirklich schwerer waren? Die Überlegung erübrigte sich: 14,3 und 13,9kg. Phuuu
In Girona angekommen wurden wir vom Transferbus abgeholt. Den hatten wir, per Internet, vorher gebucht. Mit uns zusammen eine Fussballtruppe, auf Abschlussfahrt und im Radio lief noch das Champions Liga Endspiel: Barcelona - United. Na super! Was ein Krach. um 22:30 Uhr endlich am Schiff angekommen.
An Bord alles okay und wir noch, auf ein kaltes Bier, in die Colonia Bar. Endlich Ruhe .... von wegen .... nach ca 15 min Chaos auf der Straße. Ein Autocorso der Spanier .... Barcelona hatte gewonnen. Wir machten uns schnell aufs Schiff zurück.
28.05. Donnerstag
Am nächsten Morgen war super Wetter, aber Trami. Na hoffentlich geht dem bald die Puste aus, sonst wird es eng. Taschen auspacken und Bettwäsche wechseln war angesagt ... Biberbettwäsche bei 30°C ist nicht wirklich das richtige. Dann unsere neuen LED Birnen in die Lampen, müssen ja Strom sparen, das wir sie nicht brauchen würden wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht.
Bert montiert noch die neue Hupe. Leider geht nur eine der beiden, die Leitung hat nicht genug Strom. Aber diese ist schon recht laut und wir sind sicher: man wird uns hören.
Jetzt brauchten wir ein Auto. Schnell hatten wir 2 Angebote mitzufahren und von Martin bekamen wir sogar das Auto. um 14:45 Uhr ging es los zum Einkaufen. Erste Runde: Getränke holen. 20 Flaschen Cola, 36 Fl Mineralwasser, 20 l Wasser, 30l Wein und für unseren Diesel auch 20l sowie Öl für den Motor. Man weiß ja nie. Alles aufs Schiff und halbwegs verstauen. Dann wieder los. Noch mal 20l Diesel und zum Lidl, Großeinkauf.
An Bord herrschte das absolute Chaos. Wohin mit dem ganzen Zeug? Aber nach einer knappen Stunde war alles, irgendwie, untergebracht. Hoffentlich finden wir alles wieder.
Ein Dieseltest zeigte uns: alles okay.
Dann noch unsere neuen Kugelfender aufpumpen. Bloß wie? Aber eine gute Fußpumpe hilft immer.... Die beiden hatten wir auch aus Deutschland mitgebracht.
Abends waren wir noch essen, da in der Colonia Schnitzeltag war. Ein Spaziergang zum Strand um wenigstens mal die Füße ins Wasser zu halten. Huch ... kalt war es.
29.05. Freitag
Nach dem Kaffe zum Marinaladen gelaufen. Dort besorgten wir uns noch Sikaflex, die französische Gastflagge und super teures Toilettenpapier (10,45€ für 6 Rollen). Zurück an Bord bekamen wir von Rainer noch unsere große Gasflasche, leider leer und wir konnten uns ohne Auto keine Volle mehr besorgen. Egal. Gas war noch genügend an Bord.
Den Großteil des Tages verbrachte Bert damit Kabel für den Konverter zu verlegen und die Gasleitung für die große Flasche. Das hieß: Baksksite ausräumen und später natürlich alles wieder rein. Bei 32°C und strahlend blauem Himmel kein Vergnügen.
Abends noch mal an den Strand, natürlich nach dem Duschen ... wie intelligent.
30.05. Samstag
Heute Vormittag zum Wegner, ins Büro und Wettervorhersage geholt. Sonntag: Wind 2-4. Allgemeine Meinung: wir können los.
Noch mal über den Markt: Lesestoff und Gemüse besorgen. Auf dem Rückweg in die Apotheke. Alles an Bord zurück und wieder mal zum Marinaladen. Feuerlöscher holen. Besser ist besser.
Eine Möwe brachte uns noch ein bisschen Spaß, ohne ihren Kumpel zu beachten machte sie sich über einen toten Fisch her.
Im Grunde hatten wir die Nase schon voll, uns taten die Beine weh. Aber dann ging die Bastelei wieder los. Bert hatte Probleme den Konverter anzuschließen. Aber wir wollten doch 24V Strom an Bord haben. "Wo sind die Kabelschuhe?" Gute Frage. Ein Griff und die Sucherei ging los. Mitgenommen hatten wir sie, aber wo??? Rucksäcke und Taschen wieder hervorkramen, Schaps durchwühlen ... tatsächlich da waren sie.
Aber dennoch alles nicht so einfach wie gedacht. Nach Stunden war es dann doch vollbracht. Test: es funktioniert. Der Fernseher, Receiver, Mixer, Ladegeräte ... es geht alles. Die Kaffeemaschine auch, aber die zwingt unsere Batterie (100AH) in die Knie. Muss ja auch nicht sein.
Danach noch die Leinen klar machen und ein Genuatest. Hmm, das war es wohl nicht. Sie ließ sich kaum ausrollen, geschweige denn wieder einrollen. Runter damit, nachgucken woran es liegt. Ziemlich idiotisch, das kurz vor dem ablegen zu testen ... aber nun gut.
Zweimal hoch mit ihr und wieder runter, das konnte ja was werden. Tipp kam von einem Stegnachbarn: das obere Rollenlager der Rollreffanlage ist defekt. WD 40 dran, Segel versaut ... aber es ging wieder. Hoffentlich morgen auch.
Testlauf der Ankerwinsch .... na zumindest die geht doch gut.
Danach noch duschen und Abendessen. Wir waren beide ziemlich fertig und sehr aufgeregt. Der Himmel hatte sich bezogen. Bert hat noch unseren "Oskar" (Autopilot) und das Lenkrad montiert. Hoffentlich können wir schlafen.
31.05. Sonntag (Pfingsten)
Der Wecker rappelte um 4:30 Uhr. Was ne Zeit ... Stockdunkel alles noch. Bei uns Aufregung pur. Heute hieß es: Leinen endgültig los. Aber erstmal Kaffee. Dann das Schiff klar machen. Wasser noch mal auffüllen. Irgendwann waren wir fertig und legten ab. Die Gangway lag in der Heckkabine, alles Leinen von Land hatten wir an Bord. Ein letztes Mal aus dem Hafen raus fahren. Es war 6:05Uhr und zum Glück schon relativ hell. Trotz der frühen Stunde waren schon einige Motorboote draußen.
Kurs Cap Creus lag an. Zuerst mussten wir aber um "unser" Cap (Punta Falconara) herum. Die See war ruhigder Himmel schon ziemlich bewölkt und kein Wind. Das erste Mal aus der Bucht raus, ein komisches Gefühl. Beide total aufgeregt und mit flauem Gefühl im Bauch. Werden wir doch seekrank?
Als Cap Creus in Sicht kam wurde die Schaukelei stärker. Von wegen Wetterbericht: Wind 2 ... Wind ging auf 4 mit 2 m Wellen und nicht die angesagten 0,5m. Zweifel kamen auf: sollen wir umkehren und alles aufgeben? Gab der Diesel komische Geräusche von sich? Wir hörten alles Mögliche. Aufgeben nach 3 Std auf See? Nein, das wollten wir nun auch nicht. Also weiter.
Aber eines war uns schnell klar geworden: heute würden wir es bis Sete nicht schaffen. Wohin also? Blick in unsere kopierte Karte. Port Vendres. Auf der elektronischen Seekarte Kurs auf Cap Bear gesteckt. Noch 23 sm. Die See wurde kabbeliger und wir gut durchgeschüttelt. Jetzt konnten wir aber die Genua rausholen, der Wind stand günstig, schon wurde es ruhiger und angenehmer.
Wo ist denn dieses Port Vendres genau? Upss... bloß nicht dran vorbei fahren. Genua wieder rein, leichter gesagt als getan. Sie klemmte, Bert zog mit aller Kraft, bis nur noch ein "Handtuch" stand. Da muß was passieren.
Kaum in der Hafeneinfahrt öffnete der Himmel seine Schleusen. Ein Gewitterguss vom Feinsten. Wir wurden nass bis auf die Haut. Naja, nicht ganz, die Regenjacken hatten wir zumindest an. Aber die Tatsache, dass wir so nass wurden, beruhte auf eigener Blödheit. Wir hatten früh genug gesehen, in was wir da reinfahren. Dunkle Gewitterwolken hatten sich lange genug vorher angekündigt.
Jedenfalls kamen wir pitschnaß im Hafen an. Wo festmachen? Ein dt Motorboot meinte, wir könnten am Kai einer Werft, die geschlossen war, für 1 Nacht festmachen. Gut, wir werden sehen. Völlig fertig, wir bemerkten erst jetzt wieder, wie weh uns die Beine taten, schlüpften wir erstmal in trockene Klamotten. Wohin mit dem nassen Zeug? Verteilt im Schiff und in der Hoffnung, es wird schon irgendwann wieder trocken. Danach ein "Beruhigungsbier" und eine halbe Stunde ins Bett.
Kaum aufgestanden klopfte es ans Boot. Der Hafenmeister. Wir mussten weiter nach vorne verholen. Jetzt lagen wir in dreckigem Wasser fest, haben 22,30€ bezahlt und können nicht auf die Toilette oder gar Duschen, da das Hafenbüro zu ist. Nebenbei: es regnete immer noch.
Nach dem Abendessen noch eine kleine Runde durch den Hafen spazieren. Danach nur noch: ab in die Koje.