Zweite Woche

Am Sonntag war super Wetter und wir noch immer ohne Ankerwinsch und Ankerkette. So trauten wir uns einfach nicht hinaus zu fahren. Also erstmal weiter im Boot basteln. Bert nutzte die Zeit und baute weiter an der Elektrik und befestigte unsere Kühlbox. Wir wollten nicht, dass sie uns bei Seegang in der Achterkabine in der Gegend herum fliegt.

Nachmittags unternahmen wir dann, mit Schlauchi, einen Ausflug durch die Kanäle von Empuriabrava. Ist eine ganz andere Aussicht, wenn man in so einem kleinen Boot sitzt. Da wirken die anderen furchtbar groß.

Aber es ist spannend. Vor allem hofften wir darauf, das unsere Außenborder durchhielt.

Nach einer Stunde Fahrt kamen wir zurück, mit laufendem Motor und der Erkenntnis, das unser Sprit darin für diese Zeit genau ausreicht.


Empuriabrava, Kanalfahrt - MyVideo

Ein wenig nass wird man, wenn es "größere" Wellen gibt. Das kann noch nett werden, sollten wir mal versuchen in einer Bucht bei Wellengang anzulegen.


Empuriabrava, Kanalfahrt 2 - MyVideo

 

Am nächsten Tag fuhren wir erstmal zu dem Schlosser um nach unseren Sachen zu fragen. "Morgen werden sie fertig" versprach man uns. Also gut, wir sind gespannt. Also nutzten wir den Nachmittag um zum Castello d´Empuries zu fahren. Liegt nur ca 2 km weit weg und wir waren noch nie dort.

Ein Parkplatz war schnell gefunden und wir liefen in der Hitze des Mittags im Ort herum. Wahrscheinlich dachten sich die Spanier: die spinnen, die Touris. Recht hatten sie.

Jedenfalls waren wir nach 2 Stunden völlig geschafft wieder am Auto und wollten nicht mehr, schon gar nicht mehr groß herumlaufen.

Uns taten sowieso schon alle Knochen weh. Der Aufenthalt auf einem Schiff ist etwas anderes als zu Hause in der Wohnung. Immer hieß es: Stepper rauf, Stepper runter. Zur Erklärung: wir haben unseren Niedergang als "Stepper" getauft. Auch im Boot ist immer eine Stufe zu überwinden.

Von anderen aus dem Hafen hatten wir den Tipp bekommen wo wir günstig Leinen herbekämen. Bert wollte unbedingt vorne neue Festmacher haben. Ein Besuch in einem Fachgeschäft in Empuria zeigte uns schnell auf, das diese dort viel zu teuer waren. Sie wollten pro Meter 3,40€ haben. Das wären bei 10m 34€ ..... also ne danke.

Eine Fahrt nach Rosas in den Fischereihafen führte uns dann zu einem Geschäft, welches die Fischer dort beliefert. Das erste was uns auffiel war das Rauchverbotsschild an der Tür. Soweit so gut. Nur kam uns der Inhaber mit einer Zigarre im Mund entgegen, die er auch nie herausnahm. Übrigens auch nie, als wir später noch öfter dort waren. Das nächste Problem war: er sprach nur Spanisch. Hmmmm .... Also mit Händen und Füßen. Wir fanden dann tatsächlich auch das Gesuchte und fragten nach dem Preis für 10m. "Hier wird nach Kilogramm abgerechnet" war die Antwort. Wie viel Kilo sind 10m Festmacherleine? Wir hatten keine Ahnung. Der freundliche Mensch maß uns dann 11m ab, das waren genau 2 Kilo (gut zu wissen) und wir bezahlten etwas über 9€. Das war schon etwas anderes. Glücklich fuhren wir zurück, wo Bert die neuen Festmacher gleich abmaß und befestigte. Später kamen noch neue Niro Schäkel (auch in Rosas gekauft) daran und nun sieht es wieder richtig gut aus.

Dienstagnachmittag holten wir dann tatsächlich unsere Winsch und die Kette wieder ab. Wir können nur sagen: super gemacht und für einen wirklich klasse Preis. An der Winsch hatten sie eine Bodenplatte angebracht und dort Löcher für neue Schrauben eingebohrt.

Die Kette brachten wir wieder in bewährter Form, mit Schlauchboot, zurück an Bord. An Land konnte Bert nun die neue Platte anbringen, diese hatten wir aus Deutschland mitgebracht.

Ganz schön schwer das Ganze. Aber irgendwie brachten wir sie aufs Boot und nach vorne.

Die Arbeit über Kopf im Ankerkasten war anstrengend und wir waren beide ziemlich kaputt zum Schluß. Nun noch ein Testlauf: "es funktioniert!!" Allerdings rutscht die Kette über die Winsch, beim runterlassen. Das gab einen gehörigen Schreck. Wir waren uns völlig unsicher, ob das normal ist und dachten schon über Möglichkeiten nach wie es zu verhindern ist. Später erklärten uns aber andere Skipper, das dies bei einer solch angebrachten Winsch, wie unsere, völlig normal sei. Nun gut.

"jetzt sind wir klar, nun können wir morgen hinaus" .... soweit zum Plan. Am nächsten Morgen sah die Sache allerdings leider anders aus. Wir waren beide völlig fertig. Mir zitterten die Hände und Bert ging es auch nicht gut. Wir brauchten einen Tag zum Erholen.

So legten wir einen Tag zum Relaxen ein. Ein Spaziergang durch die Geschäfte brachte uns ein Kochbuch und einen Köcher ein. Beides sollte uns noch am gleichen Tag zu Nutze kommen.

Bert holte seine Angel heraus und machte sie klar. "Du fängst eh nichts" war mein Kommentar. Im Hafenbecken einen Fisch fangen? Na das wird wohl nichts.

Er war anderer Ansicht und auch meine Kommentare: "Du badest höchstens das Weißbrot oder spielst mit den Fischen" brachten nichts. Öfter hörte ich ihn fluchen:" Die spielen so lange mit dem Brot bis sie es vom Hacken haben und fressen es dann" Ich grinste nur und las in meinem Buch weiter. Also wurde unser Weißbrot in größeren Stücken in´s Wasser geworfen. "Zum Anfüttern" Ahja ....

Plötzlich allerdings schien das Wasser am Boot zu brodeln. Fische. Man hörte es richtig schmatzen. Bert stürzte mit der Angel an den Platz. Jetzt läuft er den Viechern auch noch hinterher, war mein Gedanke.

5 Minuten später revidierte ich alles. "Komm her, ich hab einen." Was? Einen Fisch? Ich griff mir unseren neu erstandenen Köcher und lief hin. Tatsächlich, da hing ein Fisch am Hacken. Mit Hilfe des Köchers holten wir ihn raus. Ich gebe zu, das ich sehr dafür war ihn wieder in´s Wasser zu werfen. Er tat mir leid. Aber damit kam ich nicht durch.

Nun war guter Rat teuer. Wie macht man so einen? Vor allem, was ist das für einer? Ein Blick in unser Fischbestimmungsbuch zeigte: wir hatten eine Goldstrieme gefangen. Wir tauften diese Art von Fisch dann "Schmatzer". Jetzt kam unser neues Kochbuch zur Geltung. Näheres unter "Rezepte". Diesen ersten gab es dann in Salzkruste.

Samstag vor Pfingsten. Wir glaubten unseren Augen nicht zu trauen, als wir morgens aufstanden. Der Himmel stark bewölkt und regnerisch. Na super, das durfte doch nicht wahr sein. Ein Spaziergang zum Strand brachte die Erkenntnis, das wird nichts heute. Starke Brandung, aber nicht viel Wind. Mit uns waren viele unterwegs um sich das Schauspiel der Wellen anzugucken.


Strand bei Starkwind - MyVideo

Auf der Hafenmole wurde das Ganze zur Mutprobe. Wie weit kann man vor, ohne sich von einer Welle erwischen zu lassen?


Hafenmole bei Starkwind 2 - MyVideo

Gegen Abend fing es dann noch an zu regnen und unsere Sonnenplane machte sich als Regenschutz auch gut. Da wir es nicht ändern konnten kauften wir ein und machten uns Paella zum Essen. So vergeht die Zeit auch ....

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