Taufe
(27.02. - 02.03.08)
Nach unserer letzten Rückkehr verging keine Woche, bis wir wieder den Flug nach Girona gebucht hatten. Diesmal mit Leihwagen für die vier Tage. Zu teuer? neeee, billiger als mit dem Shuttlebus oder gar Taxi und wir waren flexibler. Na hoffentlich klappt das alles.
Unser "üblicher" Flieger brachte uns pünktlich um 15 Uhr in Spanien heil an. Das Wetter war besser als erwartet und wir machten uns, mit unseren Rucksäcken, auf zu der Autovermietung am Flughafen. Da wir schon von zu Hause aus gebucht hatten erwartete ich keinen größeren Aufenthalt dort. Falsch gedacht: wir waren in Spanien. Bis die Damen sich dort bewegten und die Formalitäten erledigt waren verging doch einige Zeit und ich war mit meinen Nerven "zu Fuß". Dann ging es endlich los und unser Navi lotste uns vom Gelände Richtung Autobahn. Tja, evtl sollte man sich mal über eine neue Spanienkarte im Navigationssystem Gedanken machen. Jedenfalls kennt unsere die vielen neugebauten Straßen dort nicht. Ein bisschen ging es nach dem Motto:" Wir müssen auf jeden Fall irgendwie in diese Richtung." Nach einer guten Stunde landeten wir dennoch heile in Empuriabrava am Hafen. Ein kurzer Halt beim Lidl eingeschlossen. Dort kamen wir uns vor wie daheim, selbst mit einer Deutschen an der Kasse.
Erstmal alle Luken auf und durchlüften. Kontrollblicke und ein wenig herumschnüffeln.... es müffelte noch immer nach diesen merkwürdigen Kugeln. Aber eigentlich war es uns egal, wir waren nur froh wieder da zu sein. Noch ein kurzer Spaziergang zum Supermarkt und ein Besuch in der Colonia Bar waren die einzigen Aktivitäten an diesem Nachmittag.
Nach dem Essen schauten wir uns nochmal die einzige Seekarte an Bord an, die wenigstens einen groben Überblick über die Gegend bot. "Morgen müssen wir eine Detailkarte kaufen, egal wo", war mein Kommentar.
Am Donnerstagmorgen war erstmal ausschlafen angesagt. Ein Blick durch das Fenster des Niederganges verriet bewölkten Himmel. Naja... wird schon werden. Und .... tatsächlich, ca eine Stunde später waren alle Wolken weg und wir hatten strahlend blauen Himmel.
Frohgemut fuhren wir dann mit unserem Auto in die Richtung in der wir Nauticgeschäfte gesehen hatten. Ein Bummel durch derer drei verriet uns: hier waren wir verkehrt. Aber zum Glück konnte uns dort jemand sagen wo wir unsere Seekarten finden würden. Also wieder zurück zum Auto und weiter. Nach einer Stunde hatten wir tatsächlich eine Karte (pp 008, spanische Karten) und ich war glücklich ..
Wieder an Bord bestand unsere nächste Arbeit darin, die Segel anzuschlagen. Evtl wollten wir ja am nächsten Tag doch mal raus. Also erstmal das Groß. Ja, ja Übung macht den Meister.... Dann noch die Genua, diesmal aber die andere, die wir noch nicht kannten. Wollten gucken wie sie aussieht. Überraschenderweise gelang uns die ganze Aktion besser als gedacht.
Da ich aber auf keinen Fall hinaus wollte ohne das das Schiff auch ihren richtigen Namen trägt ging ich an die "Umbennung" . Soll heißen: erstmal den alten Namen abkratzen. Das ging, mit viel Geduld, tatsächlich. Aber auf der Badeplattform hockend war es auch nicht so furchtbar unbequem. Dann noch die neuen Aufkleber drauf. "Klebe bloß gerade, du hast nur einen Versuch", Bert´s Spruch war nicht gerade beruhigend.
Aber dann hatte ich es doch geschafft.
Sie hatte endlich ihren Namen, mit Heimathafen.
Bert hatte in der Zwischenzeit die Logge ausgebaut, die nicht funktioniert. Ab und an hörte ich ihn fluchen und schimpfen, aber so genau wollte ich gar nicht wissen wieviel Wasser reinkam beim Tausch der Logge gegen den Blindstopfen. Nachdem er sie von den Muscheln befreit hatte kam tatsächlich das Rädchen zu Vorschein und drehte sich wieder. Also wieder rein mit dem Teil. Jedenfalls weiß ich jetzt, wie man sein Boot ohne größere Probleme versenken kann .....
Danach war der Autopilot dran mit Testen. Wir haben ihn "Oscar" getauft. Na, schließlich muß der dritte "Mann" an Bord ja nen Namen haben und Oskar wird wahrscheinlich noch eine wichtige "Arbeitskraft" werden. Auf alle Fälle scheint er zu funktionieren.
Nach dem Abendessen gingen wir dann zur Taufe über. Hatten uns noch echten spanischen Sekt besorgt (jedenfalls einen den wir kannten ....) und in Ermangelung von Sektgläsern gabs halt Plastikbecher.
Leider muß ich bei so "feierlichen" Anlässen immer so furchtbar lachen aber ich hoffe sie nimmt es mir nicht übel und ihr gefällt der neue Name. Einen großen Schluck bekam sie auch über ihren Bug.
Wahrscheinlich wird sie sich sowieso schon manchmal denken:" wo bin ich da bloß gelandet.." Ja,ja, ich weiß, es ist nur ein Schiff und aus GFK (um nicht auch noch zu sagen: Plastik), aber ich behaupte immer so ein Schiff hat auch eine Seele. Bert ist da nicht so von überzeugt....
Am Abend waren wir dann noch in einer, für uns, neuen Bar, von der uns nur wenige Meter trennen. Die hatten wir vorher entdeckt, als ich den "Amigo" (das ist eine deutschsprachige Zeitung für die Gegend dort) las und die Anzeige entdeckte, Bert am Heck stand und meinte:" Auf die gucke ich gerade". Auch dort deutscher Wirt und deutsches Publikum. Irgendwie mußte ich grinsen, als wird dort Bekannte trafen, die wir schon aus der Colonia kannten. Empuriabrava wird dort, unter den Deutschen, auch als Empuriablabla bezeichnet. Dort kann man nichts machen ohne das es nicht gleich fast jeder weiß. Ähnliche Erfahrung hatten wir schon tagsüber gemacht, als uns auf der Straße jemand ansprach den wir überhaupt nicht kannten, der aber sehr genau wußte wer wir waren. Aber in solchen Bars kommt man zu Informationen die einem anderen verborgen bleiben. Wir sprachen auch unser Problem an, uns war nicht klar ob wir überhaupt mit unserem Binnenschein rausfahren durften. Aber selbst ein ehemaliger Wasserschutzpolizist (Deutscher) der jetzt dort lebt, sagte uns: "Kein Problem hier in der Bucht und solange ihr "immer an der Wand" lang fahrt" ... sollte heißen: in Küstennähe bleibt. Grinsend meinte er noch, das um diese Jahreszeit sowieso niemand kontrolliert und wenn dann mit freundlichem: "Gracias Senor" die Papiere wieder zurückgibt. Dann unser Funkproblem... wir haben ja keinen Funkschein. Das gab dort ein mittleres Gelächter. "Was ist ein Funkschein?" wurde gefragt. Nein, mehr aus Spaß, aber wir erfuhren das im größten Sportboothafen Spaniens (ca 3000 Boote) wohl nur ca 1% überhaupt sowas besitzt. Wahrscheinlich Deutsche .... In Spanien kauft man ein Funkgerät, baut es ein und funkt. Einhellige Meinung war: "Fahrt einfach los, macht euch keine Gedanken."
Aber irgendwie sind wir wohl doch zu deutsch, jedenfalls fuhren wir nicht raus. Meinen Führerschein mache ich ja jetzt und das Flaggenzertifikat ist auch in der Mache. Wenn irgendwas passiert, wenn´s der Teufel will, zahlt die Versicherung keinen Cent und das war uns einfach zu heikel.
Über diese Art der Informationspolitik erfuhren wir aber auch, warum unser Dusche in den Sanitäranlagen nur kaltes Wasser hervorbrachte und wer (evtl) dafür zuständig ist. Nach einigem Hin und Her war dann tatsächlich der Schlüssel für den Raum mit der Gasflasche gefunden (darüber läuft die Heizung fürs Wasser) und die Leere gegen eine volle ausgetauscht. Das brachte uns dann eine warme Dusche. Ist doch auch schon mal was....
Am Freitag machten wir dann, bei herrlichem Wetter, einen Ausflug im Ort. Wollten eh nochwas erledigen und genossen einfach die Sonne.
An der Hafeneinfahrt.
Und an Bord.
Nachmittags räumte Bert dann die Heckkajüte mal aus und erforschte die Untiefen dort.
Irgendwie war das alles recht eklig und ölig, lt Bert aber alles völlig normal.
Am Samstagmorgen war totale Flaute. Aber auch wirklich gar kein Wind. Also schlenderten wir mal über den Markt und guckten uns um. Vor lauter Klamotten, Handtaschen, Schuhe und allem möglichen Krimskrams vermisste ich doch irgendwie Obst, Gemüse usw. Tja, von Markt hat wohl jeder eine andere Vorstellung. Aber dieser ist so riesengroß das wir uns nicht alles angesehen haben.
Danach machten wir uns an die letzten Stauräume im Boot die wir noch nicht auseinander genommen hatten. Die unter der Sitzecke. Also Tisch weg, Sitzpolster in die Achterkajüte und los geht's. Weia, was man dort alles findet. Große Mülltüten hatten wir ja noch ... Wir fanden aber auch noch zwei Rettungswesten, die nur noch wieder aufpoliert werden müssen, soll heißen: neue Patrone rein und zusammenlegen.
Nachmittags hieß es: Segel wieder runter und einpacken. Rucksäcke packen. Mittlerweile hatten wir Kontakt zu jemand geknüpft, der sein Boot gegenüber unserem liegen hat und der aus der Nähe von Landau kommt. Wenn ich ehrlich bin beobachtete ich ihn immer völlig fasziniert. Seitdem der angekommen war putzte er sein Schiff. Es war unglaublich. Mittlerweile hatten wir von ihm erfahren, das er seit 2 Jahren dort war, aber irgendwie keine Kontakte zu den anderen Deutschen hatte. Jedenfalls ging ich am Samstag zu ihm rüber und erkundigte mich, mit was er denn bitte sein Schiff so putzte. Die Antwort ließ mich lachen : "mit Bref"... okay dann kann ich auch unseren Reiniger nehmen. Aber die Politur war interessant. Er nimmt eine für Lineoliumböden, also was man in Turnhallen oder Krankenhausböden zum versiegeln nimmt. Nachdem wir eine leere Flasche gefunden hatten wurde etwas abgefüllt und wir werden das Zeug mal ausprobieren. Den Tipp hatte er von "trans-ocean" Seglern. Gut, die sollten es wissen und wir werden sehen ...
Am Abend gingen wir relativ füh in´s Bett, mein Gott bin ich froh wenn wir statt der Schlafsäcke unsere Bettdecken haben. Um 4 Uhr klingelte der Wecker und wir machten uns um 5 Uhr auf den Weg zum Flughafen. Diesmal hatten wir uns aber in aller Ruhe Zeit genommen alles auf unsere Abwesenheit vorzubereiten (Seeventile zu, noch mal rundumcheck, Strom aus). Zurück ging es besser als die Hinfahrt. Das Auto stellten wir einfach auf den Parkplatz der Firma und warfen den Schlüssel und Papiere in einen Briefkasten. Danach ging es zurück in´s kalte Deutschland, wo uns Hahn mit Sturmböen und Regen empfing.