Motor 1
05.09.2010
Der von Bert herbeigesehnte und von mir befürchtete Tag war dann doch da. Der Motor sollte gestartet werden.
Der Werftchef hatte die Anjuli noch zusätzlich abgestützt und gemeint, jetzt könnten wir ihn laufen lassen. Vorher jedoch musste ein Wasserzulauf gebastelt werden. Ohne den ging es gar nicht. Ich zweifelte stark an, das das alles funktionieren würde. Aber um die neue Lichtmaschine zu testen, auch damit der Sterlingregler angeschlossen werden konnte und um einen Ölwechsel machen zu können musste der Motor laufen. Ölwechsel macht man, wenn das Öl warm ist, hatte ich gelernt.
Zuerst allerdings füllten wir unseren Diesel, den wir noch in den Kanistern hatten, in den Tank und er bekam noch ein Diesel Biozid mit hinein. Diverse Berichte über verschlammten Diesel hatten uns hellhörig werden lassen und wir hatten nachgeforscht. Vor allem wenn er lange im Tank steht bilden sich Bakterien und verschlammen somit den Diesel. <kurz gefasst> Das können wir nun überhaupt nicht gebrauchen und wollen somit wenigstens etwas tun.
Dann den Wasserschlauch ins Schiff legen, Bert schloss ihn an die Konstruktion an und ich hörte ihn fluchen. "Das ist nicht ganz dicht." Fing ja schon gut an. "Viel?" "Nein, aber es tropft ziemlich."
Die Schaltung des Motors hatten wir auf den Innensteuerstand gelegt, so konnte Bert selber regeln, was mir sehr lieb war.
"Start mal den Motor," kam von innen. Ich tat was mir geheißen wurde ... es tat sich aber nichts. Wieder Fluchen von unten, dann eine ganze Weile Ruhe. "Noch mal starten," tatsächlich diesmal kam er sofort und ich war sehr froh das Geräusch plätschernden Wassers zu hören. Es funktionierte tatsächlich. Zum Glück befand sich niemand unter dem Boot, der hätte gut geduscht. Aber was war es gewesen? Bert hatte in der Zwischenzeit entlüftet, irgendwie hatte sich in der langen Standzeit Luft hineingezogen, da konnte er nicht laufen.
Auch eine Konstruktion des Voreigners wurde uns nun klar. Beim Verlegen der Kabel im Motorraum war uns eine Leine aufgefallen mit der wir nichts anzufangen wussten und so wurde sie von uns entfernt. Ein Fehler, wie sich herausstellte. Diese verhinderte nämlich das sich ein Teil zum Abstellen des Motors verselbstständigte. Ob das im Sinne des Konstrukteurs war zweifelten wir stark an, aber nachdem wir die Leine wieder befestigt hatten funktionierte alles. Auch unsere, mit Schlüsselring, reparierte Gasrückholfeder funktioniert noch immer einwandfrei.
"Ein Motor geht kaputt durchs Stehen, nicht durchs Laufen", wurde ich belehrt. Aber hier war nichts kaputt, Dieselchen lief wie gewohnt. Glückliche Gesichter.
Ganz so glücklich machte uns unsere neue Lichtmaschine leider nicht. Sie gab nämlich keinen Ladestrom ab und war auch nicht dazu zu bewegen, trotz mehrfacher Versuche sie dazu zu bekommen. "Da stimmt was nicht," kam von Bert. Gut, aber darum kümmern wir uns das nächste Mal. Was heißt wir, eher Bert als ich. Aber wie man den Diesel entlüftet muss ich noch lernen. Auch um unseren Drehzahlmesser müssen wir uns noch kümmern, der funktioniert nämlich plötzlich nicht mehr.
Die Schaltpläne im Handbuch sind je eigentlich recht hilfreich, wenn es denn in der Realität auch so aussehen würde.
Nachdem wir den Motor endgültig abgestellt und auch den Wasserschlauch wieder entfernt hatten durften wir das Wasser aus dem Motorraum auftunken. Was eine Matsche! Dann machten wir uns an den Ölwechsel, der aber auch dringend nötig war. Das, bei so einem alten Diesel, das Öl schnell schwarz werden konnte hatte man mir auch schon beigebracht, aber SO schwarz? Ölwechsel ist etwas übertrieben, wir haben erstmal das alte Öl abgepumpt und den Ölfilter abgebaut. Morgen wollen wir einen Neuen besorgen und dann alles wieder auffüllen. Dann kann die Testerei weiter gehen.
09.09.2010
Beim ATU war ein neuer Ölfilter schnell besorgt, da hatten wir uns gleich mal zwei davon mitgenommen. Man weiß ja nie, Reserve zu haben ist immer gut.
An Bord wurde dieser eingebaut und neues Öl aufgefüllt. Allerdings nur zum spülen, wir wollten so viel wie möglich von dem alten schwarzen Zeug herausbekommen. Das hieß also: Motor wieder an Wasser anschließen und starten. Als alles wieder ziemlich warm war, Motor wieder aus und alles Öl abpumpen. So langsam bekommen wir Übung. Aber auch jetzt füllten wir nicht neu auf.
Bert wollte unbedingt die Einspritzdüsen entfernen und durchchecken lassen. Ach herrje, was eine nette Arbeit.
Leider war damit noch kein Ende, danach wurde die Abdeckung der Ventile entfernt. So können auch die eingestellt werden. Leider fehlt uns dazu ein passendes Werkzeug.
Was könnte man denn nun noch abbauen? Dieselfilter, richtig. Das war mal ein Teil, den sogar ich spannend fand. In letzter Zeit waren uns immer mehr Berichte untergekommen von Schwierigkeiten mit dem Dieselkraftstoff und verstopften Filtern. Also sollte man schon wissen wo die sind und wie man die wechselt.
Das wissen wir jetzt, auch, wie man am Besten an den Feinfilter kommt ohne sich die Finger zu brechen oder alles herauslaufende Diesel in den Motorraum zu befördern. Ein neuer Feinfilter muss noch besorgt werden.
Dann das gleiche Spiel mit dem Vorfilter. Das Auffangen des herauslaufenden Diesels gelang uns diesmal leider nicht wirklich, so musste aufgetunkt werden. Klasse..... Dann schauten wir aber nicht schlecht, über diesen "Filter". "Was ist denn dabei ein Filter?" Die Frage war nicht unberechtigt, das ist höchstens ein Steinchenfänger. Da muss was anderes her.
Ich werde heilfroh sein wenn alles wieder drin ist und der Motor dann noch läuft. Auf See kann so ein Filterausbau eine lustige Sache werden. Wir stanken danach furchtbar nach Diesel und mussten zu Hause kräftig duschen, die Klamotten wanderten sofort in die Waschmaschine .... so weit, so gut, nur unterwegs hat man das alles nicht gleich parat. Nein, daran denken wir jetzt erstmal noch nicht.....