November 2008
Der 24. November, der Tag auf den wir wochenlang gewartet hatten. Endlich ging es wieder Richtung Spanien. Zum Glück diesmal erst mittags, mit dem Flieger. Unsere Rucksäcke waren gepackt und wir waren gespannt, welches Wetter uns in Girona erwarten würde.
Pünktlich um kurz nach 15 Uhr landeten wir, bei 13°C und ein wenig Sonne in Spanien. Unser Mietauto hatten wir recht schnell und waren um 16:15 Uhr in Empuriabrava. Endlich!
Schnell aufs Schiff und gucken, ob alles in Ordnung ist. Bilge trocken, nirgends woanders Feuchtigkeit oder Stockflecken ... alles okay. Aber es war recht kühl, um es vorsichtig auszudrücken. Noch bevor wir uns ums Wasser kümmerten suchten wir erstmal den Heizlüfter und legten Landstrom. "Heizi" wie wir ihn schnell tauften, gab alles. Langsam wurde es angenehmer, nachdem nur noch 11°C im Bootsinneren gewesen waren. Zum Glück müssen wir den Strom nicht separat bezahlen .....
Ein schneller Einkauf bei der Monze, den Fernseher und die SAT Antenne wieder auf ihren Platz dann war es Zeit zur Ruhe zu kommen. Für Bert war der Tag anstrengend gewesen, da er erst morgens aus der Nachtschicht heimgekommen war und kaum 4 Stunden geschlafen hatte.
Wolfgang, unser Nachbar von der Sueno, war tatsächlich noch dort und begrüßte uns bald. Außer uns war niemand mehr im Hafen. Ein kurzer Besuch in der Columbus Bar, in der ein neuer Wirt ist, beendete den Abend. Die Colonia hatte, leider, in der ganzen Zeit Urlaub.
Am Dienstagmorgen schliefen wir erstmal aus und mussten uns daran gewöhnen, das es nachts in einem unisolierten GFK Schiff doch arg kalt werden kann. Das konnte ja heiter werden. Aber das Wetter spielte ansonsten mit. Es war sonnig und so um die 10 - 13°C, wenigstens tagsüber.
Nach einem größeren Einkauf beim Lidl ging es erstmal an den Strand. Wenig los dort .... aber warm eingepackt konnte man es gut aushalten.
Mittags nahm sich Bert die Wasserpumpe vor. Die Neue hatten wir, ebenso wie das neue Funkgerät, in den Rucksäcken mitgebracht. Gut, in Frankfurt/Hahn hatten wie etwas komisch geguckt aber es war kein Problem. Schnell stellte er fest, das unsere neue Pumpe identisch war mit der alten. Also war der Umbau kein größeres Problem und plötzlich mussten wir nicht mehr immer die Pumpe einschalten - ausschalten, wenn wir Wasser haben wollten. Einfach nur den Hahn aufdrehen .... wow, wie zu Hause.... ich war völlig fasziniert.
Natürlich juckte es ihn in den Fingern, auch die Funke noch anzuschließen. War eigentlich völlig klar gewesen. Na gut, ich verzog mich mit einem Buch in die Sitzecke und ließ ihn basteln. "Hoffentlich geht der GPS Empfang", hörte ich ihn brummeln.
Tatsächlich, nach ca 1 Stunde kam die Erfolgsmeldung:"Alles klar, geht." Geht? Ja, das GPS aber funkt das Teil auch? Gute Frage. Da Wolfgang leider unterwegs war hatten wir keine Möglichkeit die Funke auszuprobieren. "Soll ich mal auf den roten Knopf drücken?" "NEIN!!!" Der Knopf ist zur Notmeldung. Um Himmels willen, bloß nicht drauf drücken.... Leider konnten wir nicht alles an dem Gerät einstellen, da wir es nicht angemeldet haben und uns somit die Nummer fehlt, zum Eingeben. Aber das Ganze kostet ziemlich Geld. Zurück in Deutschland müssen wir uns das noch mal durch den Kopf gehen lassen. Mit dem Handbuch saßen wir lange davor und probierten aus, welche Einstellungen wir machen können. Spannend!
Danach wollten wir unseren TO Stander endlich setzen. Ein bisserl kalt um die Finger, aber es hat funktioniert.
Abends ging die Außentemperatur wieder ziemlich in den Keller und es waren nur noch 6°C. So bleib es auch über Nacht. Heizi lief fast durchgehend. Kleiner halte bloß durch sonst bekommen wir ein Problem .... Die Betten wärmten wir mit der Wärmflasche an.
Noch am Abend testen wir dann, endlich, die Funke. Ich war entzückt .... die Verbindung mit Wolfgang klappte. Man kann uns hören!!! ... Das sollte selbstverständlich sein bei einer Funke .... kommt jetzt jemand auf diese gloreiche Idee ....Erinnerung: bei unserer Alten ging das nicht!
Für den nächsten Tag war Starkwind angesagt. Nicht schon wieder Trammi ... aber klar, wie sollte es auch anders sein. Ohne ihn hatten wir noch nie einen Urlaub dort verbracht. Das Barometer stieg, wir hatten blauen Himmel aber eiskalten Wind aus Nord. Phu, nicht gerade angenehm.
Ein Spaziergang am Strand bot ein merkwürdiges Bild. In der Bucht lagen eine Menge großer Frachtschiffe. Sie hatten dort Schutz gesucht. Na klasse, dann möchte ich nicht wissen, wie es draußen geblasen hat. Der Seegang war allerdings nicht wirklich hoch. Es kam mir eher vor wie ein sich kräuselnder Ententeich. Zumindest in der Bucht. Aber das sollte sich ändern.
|
|
Mittags fuhr Bert mit Wolfgang los um für ihn einen Fernseher und Antenne zu besorgen. So hatten die beiden zu tun, bis alles funktionierte. Irgendwann kletterte ich auf die Sueno und schaute mal nach, was die da so trieben. Wolfgang beheizt sein Schiff mit einem Miniradiator und einem Heizlüfter. Ohne das geht's nicht, meint auch er. Gut der Radiator macht nicht so furchtbar trockene Luft, das ist wohl war, aber als wir uns die Dinger mal in einem Laden angeguckt haben, war mein Kommentar: "So ein Spielzeugding will ich nicht, das bringt´s auch nicht."
So langsam wurde es Zeit uns um unsere To Do Liste zu kümmern. Fotografieren vom Herd und von der Toilette, auf der leider das Herstellerschild nicht mehr lesbar ist. Alles für die Messe im Januar. Ausmessen von dem "Tisch" in der Heckkajüte, auf der ein Dieseltank, als Tagestank, soll.
Am Donnerstagmorgen fing das "Drama" an. Nein, kein wirkliches Drama, aber wenn Männer erkältet sind ist es fast eins. Bert nieste, schnupfte, hatte Halsschmerzen. Super, das können wir brauchen. Noch hielt es sich in Grenzen und wir machten beim abarbeiten weiter. Nachdem sich unsere Vorhänge an den Fenstern ja beim Waschen in Wohlgefallen aufgelöst hatten benötigen wir wohl doch neue. Gut, ich gebe es zu, im Sommer sind die doch besser. Also: Fenster ausmessen. Gar nicht so einfach. Bastelstunde war angesagt. Allerdings erwies sich der Vorschlag: Papier nehmen und abzeichnen als völlig daneben. So funktioniert es nicht. Also doch Zeichnung und Messpunkte. Na hoffentlich können wir das umsetzen was wir uns zusammen gemessen haben. So kann man sich auch beschäftigen.
Dann noch die Bugkabine ausmessen, für Batterien. WAS? Jetzt? Neeeeeeeeeeee.... morgen, wenn das Bett eh nicht gemacht ist. Ich streikte.
Den Nachmittag verbrachte Bert damit, sich von Wolfgang verschiedene Angeln und Ausrüstung erklären zu lassen. Nix für mich, sorry.
Aber ein Gutes hatte das Ganze, Bert fing uns noch eine Meeräsche. Die ging in die Friere und wurde am nächsten tag zum Abend essen.
Abends wollte ich das Abenteuer duschen angehen. Hält die Gasflasche? Im Bad des Hafens war es furchtbar kalt und mir graute. Was tun? Dann die Idee: wir stellen Heizi vorher in´s Bad. Soweit so gut. Bloß kühlt dann das Boot ab. Beeilung ist angesagt. Bert stellte den Lüfter in´s Damenbad und nach ca 15 min ging ich los. Es war recht angenehm warm dort. Das war ja schon mal was. Also Wasser auf (das dauert immer bis warmes Wasser kommt) und Fertigmachen. Da stand ich aber nach ca 10min noch immer nackig und es kam ... nur kaltes Wasser. Was nun? Wieder anziehen und gucken wie es bei der Männern war. Kalt, erstmal. Aber zumindest kam dort sofort heißes Wasser. Also zurück, Sachen geholt, Heizi aus und ab unter die Männerdusche. War ja außer uns eh keiner da und die beiden Männer konnten wohl auch mal auf´s Damenklo gehen. Klasse, wer sich die Haare fönen will sollte auch eine Bürste dabei haben. Hatte ich nicht. Also ab, mit nem Handtuch um den Kopf wieder zum Schiff. Bert wartete schon und wollte auch los. Nach kurzem Lagebericht ging ich wieder zurück und fönte mir die Haare. Diesmal im Damebad. Bert hatte nur gefragt ob ich den Lüfter wenigstens rübergestellt hatte. Ähmm.. hatte ich nicht. Also rüber mit dem Teil und so konnte er wenigstens in nem relativ angewärmten Bad duschen. Außentemperatur war inzwischen so ca 9°C. Das erwähne ich nur weil sich die Innentemperatur unserer Anjuli dieser in der Zwischenzeit ziemlich angeglichen hatte. Zurück auf dem Schiff hatte ich Wolfgang getroffen und erklärte ihm das mit dem Wasser. Er ging daraufhin noch mal in´s Damenbad und kam zurück mit dem Ergebnis: das warme Wasser läuft. Super... Das kann´s aber nicht sein. Ergebnis des Ganzen war: beim nächsten mal wird gleich im Herrenbad geduscht, jedenfalls für den Winter.
Beim Fernsehen später wurde uns klar, das etwas passieren mußte. Bert saß in seiner Ecke, wo er sich nicht wirklich bewegen konnte und es kam kalt vom Niedergang herunter. Die Arbeit für den nächsten Tag war klar: der Fernseher muß auf die andere Seite.
Am nächsten Morgen war aber erstmal wichtigeres angesagt. Die Fahrt in die Apotheke. Dort holten wir erstmal Medikamente. Bert´s Erkältung wurde immer schlimmer. Da musste etwas passieren. Antibiotika, Aspirin usw mussten her.
Zurück an Bord wurde die Bugkabine ausgeräumt. Bettzeug und Polster irgendwohin. Es sah aus als hätte eine Bombe eingeschlagen. Das ganze brachte zumindest das Ergebnis, das wir die Batterien nicht so wie wir es uns vorgestellt hatten, dort unterbringen konnten. Also alles wieder zurück. Danach wurde der Fernseher abmontiert, auf der anderen Seite Uhr und Barometer, dann alles wieder an die Wände. Jaja, wenn man nichts zu tun hat... aber im Endeffekt stellte sich diese Lösung als besser heraus.
Als alles fertig war gingen wir zum Strand. Der Wind hatte nachgelassen, aber dafür waren die Wellen umso höher. Strand? Na den gab es an dem Tag eigentlich nicht. So gut wie alles stand unter Wasser. In der Hafeneinfahrt schlugen die Brecher gegen die Felsen. Ein atemberaubendes Schauspiel.
Empuria im November08 1. - MyVideo
Empuriabrava November08 2. - MyVideo
Samstagmittag war dann Markt angesagt. Darauf freue ich mich jedes Mal. Natürlich war diesmal nicht soviel los wie im Sommer. Aber angenehmer. Ein Stopp am Bücherstand ist obligatorisch und ich fand sogar zwei Neue. Für Lesestoff war also gesorgt. Eine neue Jogginghose kam dazu und natürlich frisches Gemüse. Viel billiger und besser als in Deutschland. Mich fasziniert immer wieder, das man dort billiger einkaufen kann als im Supermarkt, hier in D ist es genau umgekehrt.
Die Sonne schien vom blauen Himmel und wir beobachteten die Samstagsregatta der Segler. Die See war wieder völlig ruhig und der Wind blies mit ca 4-5Bft.
So ein schöner Tag mußte ausgenutzt werden. Nein, nicht zum raus fahren. Wir wollten uns nicht noch den Tod holen, da sich auch bei mir so langsam die Erkältung anbahnte. Wir nutzten die Zeit um unsere Fallen auszumessen. Ach ja und ganz wichtig, wir wollten, nach einem Plan den wir zu Hause aus dem Internet gedruckt hatten, die Maße für neue Segel messen. Mit einem 50m Maß, auch im Rucksack mitgebracht, machten wir uns an die Messerei. Was ne Aktion. Nach 30min waren meine Hände steif gefroren, der Kuli fiel mir ständig aus den Händen. Pause.
Hoppla, wir wollten doch noch wissen wie viel Maststufen wir benötigen. Mast ausmessen, dann im Salon unten ausrechnen. Da war es, mit 17°C, wenigstens ein bisserl warm.
Nachts fiel die Temperatur in der Zwischenzeit auf ca 1°C. Es wurde unangenehm kalt. Heizi lief ständig. Den Abend ging dann der andere "Spaß" los. Gegen 19Uhr, wir saßen beim Fernsehen, ging plötzlich gar nichts mehr. Strom weg. Der Fernseher wäre ja egal gewesen, aber der Heizlüfter!! Bert nach draußen als sich zeitgleich Wolfgang nach draußen bemühte. Ohne Strom keine Heizung, das ging nun gar nicht. Da wurde mir klar, wie wichtig eine Diesel- oder Gasheizung an Bord ist. Hatten wir jetzt nicht, also musste der Strom wieder her. Im Damenbad war die Hauptsicherung raus. Wieso hatte der FI Schalter nicht angeschlagen? Keine Ahnung, jedenfalls ging´s wieder. Für diesmal.
Am Sonntag wollten wir versuchen mit unserem alten Laptop in´s Internet zu gehen. Auch so ein Spaß. Vom Boot aus ging es mit unserem WLAN Stick nicht. Wolfgang schaute sich das ganze an und sein erster Kommentar zu unserem Lappi war: "Habt ihr den auf einer Ausgrabung gefunden?" Hmpffffffff.... wir wissen schon, das er nicht der neueste ist. Dennoch unversucht wollten wir es nicht lassen. Wolfgangs Tipps waren gut. Erstmal in ein Cafe zu gehen und dort den Code zu bekommen. Von einem Cafe aus reicht die Weite des WLAN bis zum Herrenbad. Aber mal ehrlich, auf der Toilette sitzend in´s Internet zu gehen??? Okay, wir wollten es erstmal so versuchen. Also in besagtes Cafe. Sehr freundlich der Franzose dort. Bei einem Cafe für jeden gab´s den Code dazu. Wir versuchten unser Glück, leider wollte unser Lappi nach 2 min nicht mehr, der Akku gab den Geist auf. Während ich an meinem Kaffee schlürfte ging Bert an Bord und holte das Ladegerät. Zweiter Versuch. Nach einigem Hin und Her, freundlichem Beistand (der aber nichts brachte) vom Cafebesitzer klappte es wirklich und wir konnten unsere Mails abholen und ein bisserl herumsurfen. Nach ca 11/2 Std und 2 Kaffee war ich total durchgefroren (war nicht gerade warm dort) und wollte nur noch an Bord.
Durchgefroren? Bert verordnete mir eine heiße Dusche. Ach herrje. Diesmal gleich Heizi in´s Herrenbad. Das ging gut. Wir wechselten uns schnell ab und waren dementsprechend schnell wieder an Bord. Die Temperatur war dort nur auf 12°C gefallen. Man ist ja nicht anspruchsvoll ...
Mittwochmorgen mußten wir um 7 Uhr aufstehen, damit wir pünktlich am Flughafen waren. Ein Blick auf´s Außenthermometer zeigen 0,1°C an. Weia. Erstmal nen Kaffee und dann weiter. Die Rucksäcke waren gepackt, wesentlich leichter als auf dem Hinflug ... Wolfgang, der auch schon wach war, übergaben wir unsere Lebensmittel die wir nicht mehr brauchten. Das ist übrigens ein schöner Brauch in diesem Hafen. Wer nach Hause fährt verschenkt die übrig gebliebenen Lebensmittel an die anderen.
Um 10 Uhr kamen wir in Girona an, gaben dort unser Auto ab und der Flieger brachte uns heile nach Frankfurt/Hahn. Dort angekommen begrüßte uns Schneefall und Wind. Super!! Zu unserem Auto mussten wir diesmal laufen, da wir es auf einem Billigparkplatz (2,50€/Tag) abgestellt hatten. Wir hatten aber schon am Abflugtag bezahlt und konnten nun, nachdem wir Bonzi vom Schnee befreit hatten, gleich losfahren.