Geburstagsflug
oder, unsere erste Ausfahrt
Wie das so ist mit einer Planung.... eigentlich wollten wir ja erst zu Pfingsten wieder nach Spanien. Schnell wurde der Plan revidiert und der Flug am 02.04. gebucht. Wir wollten 5 Tage bleiben und Bert´s Geburstag dort feiern. Unser großer Plan: endlich mal raus mit dem Schiff.
Der Hinflug am 02. ging leider erst um 19:30 Uhr in Hahn los und so kamen wir im Dunkeln in Girona an. Dann noch den Leihwagen holen, Navi rein und los. Naja, soweit mal wieder ein Plan. Dazu sollte auf dem Navi aber auch die Spanienkarte sein ... nur war sie das nicht. Schulterzuckend wieder ab damit in den Rucksack und so los. Es war schon faszinierend ... ohne Navi kamen wir wesentlich besser und schneller nach Empuriabrava als das letzte Mal. Um 22 Uhr waren wir endlich auf dem Schiff. Ziemlich kaputt und durstig. Erstmal wieder durchlüften und wir machten uns auf den Weg in die Colonia Bar, danach noch auf einen Abstecher in die Columbus Bar und dann endlich in´s Bett.
Was uns schon am Abend aufgefallen war bestätigte sich auch am nächsten Morgen: Wind ohne Ende. Die ganze Nacht hatte unsere Anjuli in sich geknackt und geknarrt, geschauckelt und an den Festmachern gezogen. In den Bars hatten sie uns schon erzählt, das dies seit ca 3 Wochen so gehen würde. "Tra Montana" , sagt man hier dazu. "Wie lange hält denn der noch an?" Die Antworten beliefen sich von 2 Tagen bis zu 2 Wochen. Tolle Aussichten.... Bei dem Wind der gar nicht unter 8 Bft ging war an ein auslaufen nicht zu denken. Wenn das schon im Hafen so zuging, was war dann erst draußen????
Nach dem Kaffee ging es dann erstmal einkaufen. Mit dem Auto natürlich... (diesmal ein silberner Polo). Das Wetter war herrlich, 24°C und strahlend blauer Himmel. Wenn da nur nicht dieser blöde Starkwind gewesen wäre. Der übrigens überall Thema war.
Unser Strandspaziergang fiel diesmal nicht sehr lang aus. Der Wind fegte die, doch kleine, Brandung fast weg und uns den Sand entgegen. Seegang war allerdings kaum.
Danach machte sich Bert dann an die Begutachtung unserer Batterien und ich verzog mich in eine halbwegs geschützte Ecke der Pflicht.
Später übte ich dann noch ein bisserl Navigieren auf unserer Seekarte.
Bert´s Abendbeschäftigung war fast klar, nachdem er die Angeln wieder entdeckt hatte. Ob das allerdings was werden würde? Ein bisserl skeptisch war ich ja schon.
Den ganzen Tag hatten wir nicht einen Fisch im Hafenbecken gesehen und ob die nun soo auf gekochten Schinken stehen würden zweifelte ich auch stark an. Nicht zu Unrecht übrigens.... Der Schinken hing am nächsten Morgen noch an der Angel und war nur gut durchgewaschen...
Wir hatten zwischendurch noch Kontakt zu dem Bekannten aufgenommen, der uns gegenüberliegt und den ich das letzte Mal beim putzen beobachtet hatte. Die waren schon eine Woche da und stöhnten ebenfalls über den Wind der ein auslaufen völlig verhinderte. Sie fuhren am nächsten Morgen allerdings schon wieder nach Hause. Deshalb probierten wir an dem Abend noch unsere Funkgeräte aus, was allerdings nicht viel brachte, da weder er uns hören konnte noch wir etwas von ihm empfingen. Tja, da stellt sich die Frage woran das nun lag ...wir konnten es nicht beantworten. Geht eines nicht? Oder beide? Aber beide empfingen wir andere Funkrufe auf den Kanälen .... seltsam. Mittlerweile hatten wir mitbekommen, dass ein Franzose jede volle Stunde Wetterbericht vom Golf von Lion durchgab .... allerdings auf französisch und das einzige, was ich davon verstanden habe waren die Windstärken .... ähmmm... nicht sehr viel.
Am nächsten Tag hatte Bert Geburtstag und wir legten einen "Ruhetag" ein. Viel konnten wir eh nicht machen, bei diesem Wind. Ein wenig "Hafenkino", sprich: was machen die anderen so....
Ein Spaziergang an die Hafeneinfahrt wurde fast zum Abenteuer, da wir kaum laufen konnten ohne fast weggeblasen zu werden.
Aber dann .... was war denn das? Irgendwie schaukelte das Schiff plötzlich nicht mehr. Die Palmen bewegten sich kaum noch. Tatsächlich, der Wind war wie abgeschaltet. Da war so gut wie nichts mehr.
Sollte es doch noch was werden mit unserem Auslaufen? Oder holt er nur mal Luft? Wir zuckten die Schultern und machten uns dran, die Segel anzuschlagen, was vorher völlig unmöglich war.
Am Abend gingen wir, zur Feier des Tages, essen in der Colonia Bar. Wobei Bert endlich mal wieder sein geliebtes Rumpsteak essen konnte ... Danach noch ein wenig plaudern in die Columbus Bar wo wir Knut´s kleine Tochter bewundern konnten, auf deren Geburt wir schon vor 5 Wochen gewartet hatten ...
Samstagmorgen stand erstmal wieder "einkaufen" auf dem Plan. Also so langsam merkt man den steigenden Verkehr im Ort. Vorsichtig fahren ist da die Devise.
Gegen Mittag waren wir wieder auf dem Boot und uns wurde berichtet: "Ihr könnt raus, kaum Wind, Anfängerwetter, besser geht nicht." Die Entscheidung war gefallen: RAUS.
Unter Deck erstmal alles fest verstauen, Motor warmlaufen lassen. Uns war einfach nur schlecht, ich schwitzte und fror gleichzeitig, mir ging der Herzschlag bis zum Hals. Bert ging es auch nicht besser. Leinen los und ...... tja da war das erste Problem, was uns vorher schon klar war. Wir steckten zwischen den Dalben fest. Aber ... das ist ja gar nicht soo dumm ... da konnten wir in aller Ruhe die Leinen drüber werfen, die Fender in´s Boot und dann mit Schwung raus ...na nicht mit zuviel ...der Steg war gegenüber. Bert am Ruder und damit am Motor und ich vorne. Übliche Rollenverteilung, ich weiß ... andersrum ist es geschickter, da er einfach mehr Kraft hat. Ich am Ruder, er vorne ...jaja... nix da.
Ganz vorsichtig steuerten wir den Kanal entlang und der Hafenausfahrt entgegen. Beide bis zu den Haarspitzen gespannt und aufgeregt. Aber auch die Ausfahrt klappte super. Das erste Mal auf See, alleine mit dem Schiff. Also ich glaube so was vergisst niemand.
Draußen waren noch mehrere Boote und wir schauten mal mit welchem Segel sie fuhren.
Denn eines merkten wir sehr schnell: es blies noch ziemlich mit 4-5Bft. Also von wegen .... ruhiges Wetter. (Als wir zurück kamen meinten sie aber, es hätte doch sehr aufgefrischt ... na danke auch)
Also, Genua raus und Groß ließen wir unten, da wir nicht gleich reffen wollten. Motor aus und .... wir segelten. Was für ein Gefühl. Nicht gleich wieder eine Wende fahren. Einfach mal laufen lassen. Der Wind kam aus Süd, eigentlich super für uns. Bert hatte zwischenzeitlich mal "Oscar" (unseren Autopiloten) eingeschaltet. Zum Probieren, aber das Ding läuft super. Da standen wir nun, mit Jacke und kurzen Hosen und versuchten das Ganze zu genießen. Wenn da nur nicht die Aufregung gewesen wäre. Die See war relativ ruhig, naja....nicht ganz glatt, aber immerhin.
Wir fuhren einige Mal einfach an der Küste hin und her, zum Schluss zeigte unsere Logge 2 sm. "Lach" nicht wirklich viel, aber unsere ersten.
Nach 2 Stunden holten wir die Genua wieder rein, was sich als wirkliche Arbeit erwies. "Hol sie bei" ... haha.. "Moment, ich kann nicht mehr" ...musste erstmal Luft holen. Der Wind machte mir zu schaffen, weia ist da Zug drauf.
Der Motor war sofort angesprungen, was bei uns ein Gefühl der Erleichterung auslöste. Ohne den sind wir schlichtweg aufgeschmissen. Vor allem bei der Einfahrt in den Hafen.
Aber auch das schafften wir gut und manövrierten zurück zu unserer Box. Tja, da mußten wir nun wieder rein. Der Vorgang war besprochen und klar. So weit, so gut. Warum sollten wir uns das "einklemmen" nicht wieder als Hilfe nehmen? Gesagt ... getan. Rückwärts ruckten wir also in die Dalben und konnten in aller Ruhe vorne alles klar machen. Zum Glück hatten wir die Festmacher vorne mit einem Klebeband markiert. Bis dahin und wir stoßen hinten nicht an.
Bert, am Steuer, war völlig konzentriert, auf das was am Heck vor sich ging und hörte mich natürlich nicht schreien, als sich unter mir der Ankerkastendeckel bewegte und die Ankerwinsch anruckte. Im Nachhinein stellte sich heraus, das er wohl mit dem Bein an den Knopf für die Ankerwinsch gekommen war.
Jedenfalls lagen wir, nach aufregenden Minuten, wieder sicher am Steg. Aber keiner von beiden hatte die Nerven verloren, es lief alles in Ruhe vonstatten. Darauf waren wir auch stolz.
Wir waren auch stolz darauf, tatsächlich draußen gewesen zu sein und gönnten uns erstmal eine Pause.
Erstmal wieder "runterkommen". Danach ging ich an´s Logbuch schreiben und Bert beguckte sich den Schaden in der Ankerkiste.
Den Tag ließen wir danach ruhig ausklingen und fassten den Entschluss, sollte das Wetter mitspielen, am Sonntag noch mal auszulaufen.
Sonntagmorgen jedoch änderten wir diesen wieder. Bert hatte sich am Tag zuvor wohl einen leichten Sonnenstich zugezogen und ihm ging es gar nicht gut. Die Kraft der Sonne sollte man doch nicht unterschätzen. Vor allem wollten wir unseren Ankerkasten klar bekommen.
Das war nun einfacher gesagt als getan. Die ganze Halterung der elektrischen Winsch war herausgerissen. Also hieß es alles, mit Hilfe von Winsch und Fall herausziehen. Ziemlich schwer das Ganze.
Zum Schluss holten wir noch die Ankerkette heraus. Schön langsam Meter für Meter, 40 mal. Dabei stellten wir dann fest, das sie mehrere völlig verrostete Kettenglieder hat. Also darüber müssen wir uns Gedanken machen, so geht das nicht.... zum Glück wusste ich das nicht, als wir raus gewesen sind. Da ist eine größere Reparatur angesagt.
Zum Schluss gönnten wir uns noch einmal einen Strandspaziergang.
Leider mussten wir am Montag früh wieder zurück nach Deutschland. Dort kamen wir in Frankfurt/Hahn an, mit Sonnenbrand und mußten von unserem Auto erstmal 10 cm Schnee abfegen. Toller Empfang. Da wünscht man sich doch, gleich wieder den nächsten Flieger zurück zu nehmen.