02.06.2010

Die erste Ausfahrt

Am letzten Freitag nutzten wir die Zeit, um uns um Julchen zu kümmern. Immerhin war für Samstag der Wetterbericht so gut, das wir beschlossen hatten sie zu testen. Im Wasser.

Allerdings hatten wir sie vorher noch in der Werkstatt. Wegen des Motors. Er sprang nicht sofort an, das ging ja nun gar nicht. Unser Verdacht des dreckigen Vergasers bestätigte sich allerdings nicht, es musste nur der Tankschlauch, mit Pumpball und Stutzen erneuert werden. Ein Probelauf, mit Wasserschlauch und Ohren, verriet: er springt sofort an. So gefiel mir das.

Am Freitag versuchte Bert noch, die alten Slipräder am Trailer zu erneuern. Aber das war ein unseliges Unterfangen. Wir kamen einfach nicht gut genug ran. Es musste also auch so gehen. Natürlich erwischte uns noch ein Gewitterguss vom Feinsten, während wir dort herum schraubten. Klasse, ehrlich.

Die Fender ins Boot, die Leinen dazu, der Anker angebastelt. Soweit war sie fertig. Wir auch, mit den Nerven.

Samstag war es dann soweit. Unsere "Jungfernfahrt" mit ihr stand an. Beide waren wir total aufgeregt. Einslippen durften wir in Lampertheim, auf der Werft auf der auch die Anjuli liegt. Was für ein Vorteil. So konnten wir sie an den Steg legen und in Ruhe erstmal gucken.

Aber zuerst hieß es: Boot mit Trailer aus dem Hof bekommen. Sie ist ziemlich schwer, aber es ging doch recht gut. Dann nach Lampertheim fahren und sie da ins Wasser bringen. Würde sie überhaupt schwimmen? Bloß nicht daran denken.

Aber wir hatten dort keinen Stress, niemand der wartete um auch noch einzuslippen. Das war auch gut so. Die Rampe dort ist sehr steil und unser BMW hatte zu kämpfen. Automatik sei Dank, ging aber alles gut.

Dann, endlich, schwamm sie auf dem Altrhein. Meine erste Reaktion:

"Sie geht hinten unter!!"

Nein, ging sie nicht, sie lag nur recht tief im Wasser. Was sicher daran lag, das auch noch der kleine AB vom Schlauchi hinten dran hing und der Tank mit 55L voll war. Während Bert Hänger und Auto wegbrachte schaute ich mir innen alles genau an. Nirgendwo nass und alles in Ordnung.

Sie lag ruhig im Wasser und schien sich zu freuen. Na immerhin etwas. Der Motor lief sofort an und wir tuckerten gemächlich den Altrheinarm hinunter. Was für ein Gefühl, es war richtig schön. Nur, um wirklich Vertrauen in den Motor zu bekommen musste sie auf den Rhein. Wir guckten uns an und der Entschluss stand fest: wir riskieren es. Meine schlechte Erfahrung mit einem Mercurymotor musste ich überwinden. Nur nicht wieder auf dem Rhein sein und der Motor geht aus. So etwas ist nicht nur nicht witzig, das ist sau gefährlich.


Julchen 1 - MyVideo

Aber dieser Motor läuft und wie. Das Handling von Julchen ist, für mich, etwas gewöhnungsbedürftig. Sie reagiert langsamer als ich es von einem Motorboot gewohnt bin. Aber sie ist halt auch schwerer und größer als unsere anderen beiden. Endlich aber konnten wir Berufsschiffer überholen. Was für ein Gefühl. In den Wellen läuft sie richtig gut und wir wurden nie nass.

Bis zum Kief (ein Altrheinarm) fuhren wir hoch, immerhin 20km.

 Dort testen wir noch unseren kleinen Außenborder. Ihn hatten wir mitgenommen um zu gucken, ob er, im Notfall, in der Lage war, Julchen zu schieben. Nun gut, ist vielleicht ein bisschen viel verlangt von so einem alten 4PSler. Aber es funktioniert wirklich. Was uns völlig überzeugt hat war die Tatsache, das er sofort ansprang. Das obwohl er über ein Jahr nicht mehr gelaufen war.


Julchen 2 - MyVideo

Nach einer Pause in der Gaststätte machten wir uns auf den Rückweg. Ein richtig schöner Tag ging zu Ende und wir hatten ihn genossen. Seit einem Jahr waren wir nicht mehr auf dem Wasser gewesen und jetzt gibt uns Julchen wenigstens ein bisschen die Gelegenheit zu fahren.

Zurück in Lampertheim machten wir sie fest und bastelten die neuen Slipräder an den Trailer. Dann musste sie "nur" noch wieder hoch. Das verlangt Übung, aber wir bekamen sie gut auf den Trailer und auch wieder gut an Land.

Jetzt steht sie wieder im Hof und wir müssen nur noch Kleinigkeiten an ihr fertig machen. Auch die neue Tischplatte noch anbringen.

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